Der Gemeinderat der Stadt Waldkirch hat mit knapper Mehrheit von 10 : 9 Stimmen sich dafür entschieden auf eine weitere Rezertifizierung zur Fairtrade Stadt zu verzichten. Ich bin über diese Entscheidung sehr enttäuscht und entsetzt über das Abstimmungsverhalten meiner eigenen Fraktion.
Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht für das Ehrenamt und für z.B. die Betriebe, Unternehmen, Vereinen, Organisationen und Kirchen sowie Einzelpersonen die sich für fairtrade engagiert waren und darauf stolz waren, dass Waldkirch fairtrade Stadt ist. Es ist auch nicht gerade motivierend für die Schülerinnen und Schüler und Lehrer des Geschwister Scholl Gymnasiums die sich intensiv eingebracht haben die Zertifizierung des GSG als Fairtrade Schule zu erreichen. Die Steuerungsgruppe hatte sich gerade immer wieder für eine Zertifizierung der Schule eingesetzt.
Ich kritisierte in der gestrigen Gemeinderatssitzung, dass die Verwaltung nicht auf die Steuerungsgruppe zugegangen ist um in einem Gespräch Möglichkeiten zu diskutieren, wie und welche Kosten gesenkt werden können, da schließlich die Zertifizierung als fairtrade Stadt keine Kosten verursacht. Die Kosten für die Zertifizierung können vor dem Hintergrund anderer Ausgaben sicher nicht das entscheidende Argument sein. Bereits 2022 wurde die Steuerungsgruppe von der Stadt mit der Kündigung der Rezertifizierung überrascht. Nun erneut dieser Vorstoß, der doch eher die Frage aufwirft, ob die Verwaltungsspitze eine fairtrade Zertifizierung nicht mehr möchte.
Der Ausstieg aus dem Projekt fairtrade ist ein völlig falsches politisches Signal und dies auch vor dem Hintergrund der Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und auch der Geopolitischen Lage. Fairer Handel und faires Einkaufsverhalten werden zwar immer wieder in der Werbung als Verkaufsargument benutzt. In den Köpfen der meisten Menschen ist dies jedoch bis heute noch nicht angekommen, daher ist es wichtig kontinuierlich das Thema zu bespielen. Waldkirch wollte mit der Zertifizierung 2018 ein Zeichen setzten, Vorbild sein, um das Thema auf der politischen Agenda zu halten und es aktiv unterstützen. Der Gedanke hinter „Fair Trade“ ist, weltweit und vor Ort auf nachhaltiges Wirtschaften und Handeln hinzuwirken.
Im Leitbild unserer Stadt ist ebenfalls der wichtige Gedanke der Nachhaltigkeit aufgenommen:
„Wir nehmen diese Verantwortung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht in besonderer Weise an und sind offen für Gäste und Besucher aus aller Welt. Wir legen Wert auf Gastfreundschaft und auf Solidarität unter den Menschen unserer Stadt.“
Weiter heißt es:
„Wir leben in dem Bewusstsein, dass die Verantwortung für die einmalige Landschaft, Natur und Umwelt unserer Heimat ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln erfordert.
Unsere Vision ist eine dem Menschen und der Menschlichkeit förderliche kommunale Gemeinschaft – eine lebens- und liebenswerte Stadt Waldkirch.“
Und weiter:
„Die städtische Wirtschaftspolitik fördert nachhaltiges Wirtschaften und unterstützt den Ausgleich von Ökonomie und Ökologie.“
Genau auf diese Punkte ist das Engagement als „Fair-Trade-Town“ gerichtet. Es ist ein politisches Signal zum einen für die Menschen, die hier leben und zum anderen für Menschen, die uns besuchen.
Es bringt zum Ausdruck, dass unsere Gesellschaft bereit ist, die Menschen in den Ländern des globalen Südens durch entsprechendes Einkaufsverhalten zu unterstützen. Durch den fairen Handel können wir nicht nur gerechte Löhne im globalen Handel sichern, sondern auch etwas für die Artenvielfalt und den Klimaschutz tun. Denn Fairer Handel sichert kleinbäuerliche Strukturen, die nachhaltig mit Böden und Natur umgehen.
Die Ziele von fair-trade orientieren sich an den 2015 verabschiedeten globalen Nachhaltigkeits-zielen der Vereinten Nationen, der Agenda 2030, zu deren Umsetzung sich Deutschland, Baden-Württemberg und die Kommunen im Rahmen der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie verpflichtet haben. Waldkirch trug mit seiner Zertifizierung dazu bei, im Sinne „global denken – lokal handeln“ die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.
Ich möchte auch auf die Entwicklung der Fairtrade Kommunen in Baden-Württemberg hinweisen, so gab es 2012 – 19 Fairtrade Städte und Gemeinden, heute gibt es ca. 200 Fairtrade Städte, 152 Fairtrade Schulen und 6 Fairtrade Universitäten. In unserem Landkreis sind außer Waldkirch bisher Teningen und Vörstetten Fairtrade Town, andere haben sich auf den Weg gemacht und auch unsere Partnerstadt Liestal lässt sich gerade zertifizieren.
In diesem Jahr findet die Landesweite Regionalkonferenz der fairtrade Gemeinden Baden-Württemberg in Freiburg statt, wo wir auch dazu eingeladen sind. Es ist schade, dass wir keine gute Botschaft nach Freiburg mitbringen können.
Global denken und lokal handeln heißt, dass wir als Stadt lokale, regionale und globale Verantwortung übernehmen. Hierfür und für fairtrade werben auch Städtetag und Gemeindetag und unterstützen Gemeinden die sich zertifizieren lassen wollen.