Um unsere Klimastrategien wirklich fair für alle Menschen gestalten zu können, müssen wir miteinander reden – und nicht aneinander vorbei. Wir müssen in unseren politischen Gremien einen Konsens zur lokalen und globalen Verantwortung haben. Für unsere Städte und Gemeinden heißt das: Wege der Zusammenarbeit mit allen Bevölkerungsgruppen finden, Konsultationsprozesse anstoßen, Ungerechtigkeiten vor Ort und auch global bekämpfen und konsequent handeln.
Klimagerechtigkeit verbindet für mich das Ziel einer gerechten Welt mit fair verteilten Ressourcen und Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen im Globalen Süden und Norden. Gleichzeitig bedeutet es, dass wir im Globalen Norden als Verursacher der Klimakrise die Menschen im Globalen Süden bei der Anpassung auf vielfältige Weise unterstützen müssen.
Die Klimakrise ist unfair! Daher ist es für mich logisch, dass unsere Städte und Gemeinden Teil der Fair Handelsbewegung sein müssen, da wir auch Mitglied im Klimabündnis sind. Auch mit unserem Konsumverhalten üben wir einen Einfluss auf das Klima aus! Daher ist der faire Handel (Fairtrade) eng mit den Klimaschutzzielen verknüpft und wird als integraler Bestandteil einer umfassenden Klimastrategie betrachtet. Fairer Handel schützt nicht nur den Menschen, sondern auch die Umwelt und ist ein wichtiges Instrument, um die Klimaziele zu erreichen
Die Mitgliedschaft im Klimabündnis (oft in Verbindung mit dem Klimaschutzpakt Baden-Württemberg) ermöglicht es Städten und Gemeinden, so auch Waldkirch, von erhöhten Fördersätzen und spezifischen Förderprogrammen des Landes zu profitieren. Der Beitritt zu solchen Bündnissen verpflichtet die Kommunen zur Umsetzung von Klimaschutzzielen, was wiederum den Zugang zu Mitteln des Landes erleichtert.
Während 1990 noch 62 % der globalen Emissionen durch Unterschiede zwischen Ländern verursacht wurden, gehen heute zwei Drittel auf soziale Ungleichheiten innerhalb von Gesellschaften zurück (Chancel et al. 2022). Die wachsende Bedeutung innerstaatlicher sozialer Ungleichheiten für den Klimaschutz zeigt, dass der Kampf gegen den Klimawandel untrennbar mit der Bekämpfung sozialer Ungerechtigkeit verbunden ist. Reiche Haushalte treiben den Klimawandel durch Luxuskonsum und Investitionen voran, während ärmere Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig unter dessen Folgen leiden.
Wirksamer Klimaschutz erfordert deshalb eine sozial gerechtere Gesellschaft, da Armut die Entwicklung eines Zukunftsbewusstseins behindert, das für die Priorisierung von Nachhaltig-keitszielen essenziell ist. Es ist immer wieder sinnvoll die UN Nachhaltigkeitsziele (SDG) zu betrachten, so das UN SDG 1: Bekämpfung von Armut.
Das Bundesverfassungsgericht hat im Klimaschutzbeschluss von 2021 die Bedeutung einer gerechten Verteilung der Klimaschutzlasten zwischen den Generationen hervorgehoben und forderte eine langfristige Strategie, um künftige Generationen vor übermäßigen Belastungen zu schützen. Diese Forderung nach Gerechtigkeit im Umgang mit den ökologischen Herausforderungen zeigt die Dringlichkeit, auch im städtischen Raum nachhaltige Lösungen zu finden. Die Anpassung der Klimaziele, wie die Klimaneutralität bis 2045 und eine signifikante Reduktion des CO2 -Ausstoßes, verdeutlicht die Notwendigkeit, die sozialen und ökologischen Dimensionen von Entwicklung gemeinsam lokal und global zu denken. Einerseits stehen wir hier insbesondere auf kommunaler Ebene andererseits auf globaler Ebene vor großen Herausforderungen: Sie müssen Klimaschutzmaßnahmen entwickeln und umsetzen, die nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gerecht sind, um die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort und im globalen Süden zu verbessern.
„Fair handeln lokal und global“ muss der Leitsatz unseres Handelns sein