Es freut mich, dass der Antrag von DOL&Grüne zur Erstellung eines Hitzeaktionsplans für Waldkirch im Gemeinderat in der letzten Oktobersitzung beschlossen wurde. Die Bedeutung eines Hitzeaktionsplan für Waldkirch wurde mir bewusst als ich, wie auch mehrere weitere Gemeinderäte*innen vom 30.06.2025 – 11.07.2025 ein Praktikum in verschiedenen Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt gemacht hatte und dabei feststellte, dass das Thema Hitzeschutz in allen Einrichtungen eine sehr wichtige Rolle spielte. Der Juni 2025 war der heißeste Monat seit 2013. Aufgrund der Erfahrungen die ich in diesen Praktikas machte war ich stark sensibilisiert für das Thema Hitzeschutz und ich stellte im Juli 2025 einen Antrag für die Erstellung eines Hitzeaktionsplans.
Es wurde mir immer klarer und das wurde durch den Sommer 2026 noch bestätigt, dass ein Hitzeaktionsplan für Städte und Gemeinden eine unverzichtbare Aufgabe ist, um auf die steigenden Temperaturen und häufigeren Hitzewellen vorbereitet zu sein.
Die Folgen des Klimawandels führen dazu, dass es in den Sommern die nächsten Jahrzehnte wärmer wird. In den letzten Jahren nahmen dabei auch die Hitzewellen zu, die nicht nur das Wohlbefinden der Menschen beeinträchtigen, sondern auch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Dies stellt besonders für vulnerable Gruppen eine große Herausforderung dar.
So sollte ein Hitzeaktionsplan kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, wie ein Hitze-Warnsystem, die Bereitstellung kühler Aufenthaltsorte oder Unterstützungsangebote für besonders gefährdete Gruppen. Er ist ein wichtiges Instrument, um Bürgerinnen und Bürger auf Gefahren hinzuweisen und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Allgemeine Empfehlungen für hohe Temperaturen erarbeiten.
Kommunikation ist bei der Erstellung und Umsetzung eines Hitzeaktionsplans in Kommunen der entscheidende Erfolgsfaktor. Hierzu gehört zuerst die Interne Kommunikation (Verwaltung & Akteure in der Stadt, städtische Einrichtungen), danach die externe Kommunikation (mit Bevölkerung allgemein, Berufstätige, Familien, Vereine, vulnerable Gruppen usw.)
Ein theoretisch perfekter Plan läuft ins Leere, wenn die Warnungen und Schutzmaßnahmen die Menschen nicht rechtzeitig oder verständlich erreichen.
Ein Hitzeaktionsplan muss verständliche, alltagstaugliche Empfehlungen für die Bevölkerung beinhalten, wie z.B. richtiges Trinkverhalten, Anpassung von Medikamenten in Rücksprache mit medizinischen Fachpersonal, Verhalten bei körperlicher Belastung, Lüftungs- und Kühlstrategien in Wohnungen und im öffentlichen Raum, der Schutz von Kindern, älteren Menschen aber auch von Haustieren.
Diese Informationen sollten natürlich mehrsprachig, barrierefrei und über verschiedene kommunale Kanäle verbreitet werden.
Zum Hitzeschutz in der Gemeinde gehört eine auf das Stadtgebiet ausgerichtete Planung, die Schattenplätze und ausreichend Grünflächen schafft sowie auf öffentliche Trinkwasserbrunnen setzt. Solche Maßnahmen brauchen Zeit für Planung. Wichtig ist auch zu prüfen für welche Maßnahmen können Förderanträge gestellt werden. Die folgenden Punkte sind für mich wichtige Beispiele für einen Hitzeaktionsplan, die in keinem Konzept zum Hitzeschutz in Kommunen fehlen sollten.
Kühle Orte, die es schon gibt, werden an Hitzetagen für alle geöffnet. Dazu gehören Kirchen, Bibliotheken, klimatisierte Gemeindesäle, aber auch private Unternehmen können aufgefordert werden, sich dem Angebot für gefährdete Personen anzuschließen.
Großzügig Wasser anbieten. Wenn Trinkwasserstationen noch nicht oder nicht flächendeckend vorhanden sind, können mobile Teams oder städtische Einrichtungen Trinkwasser verteilen. Bei Großveranstaltungen können z.B. Sprühnebelanlagen für Abkühlung sorgen.
Schulung von Fachpersonal, um hitzebedingte Beschwerden zu erkennen. Beschäftigte in Kliniken, Pflegeheimen, Seniorenwohnanlagen, Schulen (Teach the Teacher) und Kindertagesstätten müssen in den Hitzeaktionsplan in der Kommune eingebunden werden. Damit sie durch Schulungen und Informationen adäquat auf Gefahren durch Hitze reagieren, bzw. Präventionsmaßnahmen ergreifen können.
Sensibilisierung der Bevölkerung für vulnerable Gruppen. Wichtig ist Netzwerke zu entwickeln, um auf die besonders hitzegefährdeten Personengruppen zu achten. Einkaufshilfe, Gassiegänge, telefonische Betreuung oder persönliche Nachrichten, um an regelmäßiges Trinken und Medikamentenanpassungen zu erinnern, können von Pflegediensten, aber auch privat für die Nachbarschaft übernommen werden.
Empfehlungen zur Anpassung von Personalplänen und Arbeitszeiten. Bei angekündigten Hitzewellen ist es sinnvoll, die Rettungsdienst-Bereitschaft und auch andere relevante Bereiche, beispielsweise die Stromversorgung, personell für diese Tage aufzustocken. In anderen Branchen, wie Straßenbau oder Müllabfuhr, ist es wichtig, die Arbeitszeit in die kühleren Morgenstunden zu verlegen.
Obdachlose brauchen besonderen Schutz. Wohnungslose Menschen gehören zu den am stärksten von Hitze betroffenen Gruppen. Hilfe bieten verlängerte Öffnungszeiten von Tagesaufenthalten, gezielte Straßensozialarbeit an Hitzetagen, die Verteilung von Wasser, Sonnencreme und Kopfbedeckungen sowie Informationen zu kühlen Rückzugsorten. Auch die Möglichkeit, Tiere mitzuführen, kann entscheidend sein, um Angebote tatsächlich nutzbar zu machen.
Klimatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr. Der öffentliche Nahverkehr spielt bei Hitze eine zentrale Rolle, insbesondere für ältere Menschen, Kranke und Kinder. Klimatisierte Fahrzeuge sollten an Hitzetagen bevorzugt eingesetzt und entsprechend gekennzeichnet werden. So wäre es denkbar, Fahrpläne und Taktungen so anzupassen, dass lange Wartezeiten in der Sonne vermieden werden.
Sorgenhotline als Anlaufstelle für Helfende und Besorgte. Während Hitzewellen entstehen viele Unsicherheiten bei Angehörigen, Nachbarn und Pflegekräften. Eine zentrale telefonische Anlaufstelle – etwa eine bestehende Gesundheitshotline oder ein spezieller Hitzenotruf – kann beraten, Symptome einordnen und an geeignete Stellen weitervermitteln. Wichtig ist eine klare, öffentlich kommunizierte Zuständigkeit, um den allgemeinen Notruf zu entlasten.