Am 27. Januar war ich bei der Gedenkfeier des ZfP Emmendingen anlässlich des Holocaust Gedenktages, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Bundespräsident Roman Herzog hat 1996 diesen Tag als Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus festgelegt um bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.
Der Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, Manfred Lucha, legte am Denkmal im Park des ZfP einen Kranz nieder und zusammen mit Oberbürgermeister Stefan Schlatterer, Landrat Hanno Hurth, Geschäftsführer Michael Eichhorst und rund 50 Gästen eine Gedenkminute ein.
In der anschließenden Gedenkveranstaltung in der Festhallt des ZfP hob der Geschäftsführer des ZfP, Michael Eichhorst hervor, dass die Geschichte schwer zu begreifen ist, sie gehört aber zum ZfP! Sie verpflichtet uns, Ausgrenzung entgegenzutreten und in Gegenwart und Zukunft verantwortungsvoll zu handeln! Die Heil- und Pflegeanstalt war nach ihrer Gründung im 19. Jahrhundert eine der fortschrittlichsten Einrichtungen gewesen.
In der NS-Zeit seien über 1.000 Menschen nach Grafeneck verbracht und zum größten Teil ermordet worden. Nach dem Krieg habe man zwei bis drei Generationen gebraucht, um die Psychiatrie wieder aufzubauen. Heute versteht sich das ZfP nicht nur als Behandler, sondern auch als Begleiter seiner Patienten. Inzwischen habe man die Psychiatrie weiterentwickelt und aus der Geschichte gelernt, so Eichhorst.
Minister Manne Lucha sprach in seiner Rede vom industriellen Massenmord, der zynisch als Euthanasie bezeichnet wurde! Heute sei man fassungslos, dass Menschen so etwas tun konnten, und dennoch gebe es heute wieder Tendenzen in diese Richtung, so der Minister. Die damaligen Ereignisse müssen uns Mahnung sein, was passieren kann, wenn totalitäre Regime an der Macht kommen, sagte Lucha. Unsere Vergangenheit ist das Fundament für unsere Zukunft. Sie ist aber auch Verpflichtung und Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten!
Oberbürgermeister Stefan Schlatterer erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Unrecht auch in Emmendingen und der Einrichtung geschehen sei. Auch in Emmendingen seien Biografien zerstört worden, und die Geschichte zeige die Notwendigkeit des Erinnerns auf.
„Wir müssen uns dem Hass auch heute entgegensetzen und unsere Werte entschlossen verteidigen“, forderte der Oberbürgermeister und schloss mit: „Nie wieder ist ein Auftrag!“
Der ehemalige Chefarzt für Alterspsychiatrie und Psychotherapie, Gabriel Richter hielt einen Vortrag indem er hervorhob, dass wir ein Gedenken begehen für Menschen die nicht da sind. Er spielte darauf an, dass die Geschichte den anwesenden im Saal allen bekannt ist. Hier sind eigentlich die falschen Ansprechpartner, denn für ihn ist es wichtig die Schüler und Jugendlichen zu erreichen.
Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Manne Lucha Die Redner der Gedenkfeier v.l. Stefan Schlatterer, Michael Eichhorst, Gabriel Richter, Manne Lucha und Hanno Hurth