Bio-Musterregion Freiburg – auf dem Weg zu mehr bio und regional in den Kantinen

Pressemitteilung Nr. 47/2022
Emmendingen, den 01.07.2022

Bio-Musterregion Freiburg – wo stehen wir auf dem Weg zu mehr bio und regional in den Kantinen?

Im Rahmen seiner Veranstaltungen im Wahlkreis lud Alexander Schoch MdL zu einer Informationsveranstaltung zur Bio-Musterregion Freiburg ein.

Der Abgeordnete konnte im Bildungszentrum auf der Hochburg eine große Anzahl von Gästen begrüßen. Die Idee der Bio-Musterregion, so Schoch, hätte ihren Ursprung zwar in Hessen und Bayern, doch gibt es mittlerweile bereits 14 Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg.

„Die Bio-Musterregion Freiburg besteht aus den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald und der Stadt Freiburg und kann den beteiligten Stadt- und Landkreisen große Chancen bieten, regionale Produktion, Verarbeitung und Vermarktung voranzutreiben, die Wertschöpfungsketten zu stärken und mit der Erhöhung des Anteils der biologischen Landwirtschaft auch zu Klima- und Artenschutz beizutragen.

Für den Verbraucher soll mehr Transparenz und damit eine Erleichterung beim bewussten Einkaufen entstehen.“, erläuterte der Abgeordnete.

Dr. Martin Schreiner, Dezernat Ländlicher Raum im LRA EM und Mitglied der Lenkungsgruppe berichtete, dass die landwirtschaftliche Ausbildung auf der Hochburg bereits seit über 175 Jahren besteht und hier auch ein ökologischer Landbau gelehrt wird. Die gemeinsame Bewerbung der Kooperationspartner (Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald sowie der Stadt Freiburg) zur Bio-Musterregion Freiburg begrüßte Schreiner ausdrücklich. Denn in der Region gebe es viele landwirtschaftliche Betriebe und auf der anderen Seite eine große Anzahl potentieller Verbraucher. Die Organisation der Biomusterregion ist schlank aufgestellt: Lenkungsgruppe und Beirat. Die Lenkungsgruppe bespricht und setzt Themen, die u.a. auch vom Beirat eingebracht werden. Beide Organisationseinheiten sind zusammen mit der Regionalmanagerin, Frau Gierden, wichtige Instrumente, um die Zusammenarbeit der Multiplikatoren wie Kommunen, Produzenten und Händler zu intensiveren. „Es muss deutlich mehr über die Arbeit gesprochen werden, denn es wird schon viel gemacht.“

Um den Anteil biologischer und regionaler Produkte in der Außer-Haus-Verpflegung zu erhöhen, müssen sowohl fachlich-politische Rahmenbedingungen gesetzt, unternehmerische Aktivitäten und Einsichten gestärkt sowie neue Vernetzungsstrukturen geschaffen werden, stellte Martin Ries, Referatsleiter Ökolandbau MLR fest. Gerade in der Gemeinschaftsverpflegung sei noch Luft nach oben, denn hier liege der Bioanteil bei unter 2%. Das Land hat den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ als Maßnahmenbündel für mehr Bio im Land auf den Weg gebracht und mit der Verabschiedung des Biodiversitätsstärkungsgesetzes ein ambitioniertes Ziel für mehr biologischer Landwirtschaft gesetzt. Die Bio-Musterregionen übernehmen in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe, das Thema konkret und vor Ort in die Fläche zu tragen. Ein Beispiel dafür ist das Modellprojekt „Bio in der Gemeinschaftsverpflegung in Bio-Musterregionen“.

Wichtige Ansätze, um den Bioanteil in der Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen, sieht Ries im Zusammenbringen von Angebot und Nachfragedurch eine bessere Vernetzung der Akteure, aber auch bei den Beschaffungsprozessen. Bio müsse für die großen Küchen noch besser und einfacher verfügbar sein, am besten natürlich regionales Bio.

Den geänderten Anforderungen müsse dann auch in der Küche oder bei den Rezepturen Rechnung getragen werden. Ob dabei zuerst bio oder regional angeboten werde, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, damit anzufangen und mehr darüber zu sprechen.

Ende Februar 2020 startete die Bio-Musterregion Freiburg mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung und im Dezember 2021 wurde die Förderzusage um weitere drei Jahre verlängert. „Zwar wurden die vielen Aktivitäten durch Corona massiv ausgebremst, dennoch bestätigte Andrea Gierden das große Potential für die Bio-Musterregion Freiburg, die ihren Reiz auch aus der besonderen Stadt-Land-Beziehung, mit der Großstadt Freiburg und dem vielfältigen produktiven Umland, zieht.

Es gibt viele regionale Qualitätsprodukte, beispielsweise Fleisch von Kälbern aus der Milchviehhaltung und Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, Verköstigungen und Vermarktung sind wichtige Faktoren. Schwerpunktthema der Bio-Muster-Region Freiburg ist die die Außer-Haus-Verpflegung, den Anteil regionaler Bioprodukte in Auch Kitas, Kliniken, Pflegeeinrichtungen zu erhöhen.

Am Projekt „Bio in der Gemeinschaftsverpflegung in Bio-Musterregionen“ nehmen 7 Einrichtungen aus der Region teil, die unterschiedliche Lebenswelten abdecken und eine Zugkraft entwickeln sollen.

Der Auf und Ausbau der Wertschöpfungskette, um mehr regionale Bio-Produkte in Gemeinschaftsverpflegung zu bringen, ist eine zentrale Aufgabe von Regionalmanagerin Andrea Gierden. Dazu zählen Verarbeitungs- und Bündelungsstrukturen sowie Logistik. „Die Beschaffung muss für die Einrichtung möglichst einfach sein, ebenso für die Erzeuger, Verarbeiter und Lieferanten“, so Andrea Gierden. Die Etablierung langfristiger Strukturen mit verlässlicher Partnerschaften benötigt Zeit, auch im Hinblick auf Bio-Umstellung.

In der folgenden Gesprächsrunde, an der exemplarisch einige Partner der Bio-Mustere-Region teilnahmen, wurden die verschiedene Argumente vertieft.

Bernhard Bolkart, Präsident des BLHV sieht für Teile des Berufstands gute Anknüpfungspunkte an das Leuchtturmprojekt Bio-Muster-Region. Für den Landwirt steht allerdings die Frage nach einem wirtschaftlichen Auskommen an oberster Stelle. Ulrich Reichenbach, Metzger und Landwirt aus Glottertal begreift die Bio-Musterregion als große Chance für den regionalen Bio-Fleischmarkt. Ein wichtigstes Anliegen für ihn ist die Ganztierverwertung. Seit 19 Jahren bietet Holger Radenz als Pächter des AOK-Forums in Freiburg Bioprodukte an. Durch die Bio-Musterregion weitet er sein Angebot noch aus und beteiligt sich an Aktionen, wie den Ernährungstagen mit regionalen Bio-Hülsenfrüchten. Die Kunden sind bereit die höheren Preise zu bezahlen.

In der Schul- und Kindergartenverpflegung sei dies leider nicht so einfach, wie Thomas Gedemer, Bürgermeister aus Herbolzheim und Vorsitzender des Beirats berichtete. Denn in Altersheimen, bei der Schulverpflegung und in Pflegeheimen geht es nach wie vor um einen günstigen Einkauf. Wer kommt für die höheren Kosten für bio und regionale auf? Gedemer sieht die Verantwortung dafür auch beim Land.

„Die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass es leichter wird, regionales Bio anzubieten und auf den Teller zu bekommen. Entscheidungen für mehr regionales Bio in großen Küchen müssen auf allen Ebenen zusammenspielen. Wie immer bedarf es langfristig angelegte und gut aufgesetzte Prozesse, um Gewohnheiten zu ändern. Daher müssen unterschiedliche Ansätze – z. B. in der Warenbündelung und Aufbereitung, in den Küchen und bei der Mehrwertkommunikation – verfolgt werden“, so Martin Ries.

Alexander Schoch bedankte sich bei Frau Gierden für ihre engagierte Arbeit und den Gästen für die gute Aussprache. Er stellte zum Schluss fest: „Wir haben zwar schon ein gutes Stück geschafft, müssen alle gemeinsam, jeder Einzelne, sei es als Verbraucher, Erzeuger, Produzent oder Vermarkter, jede Einrichtung und jede Gemeinde weiter an der Bio-Muster-Region arbeiten.“

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