Weltflüchtlingstag 20. Juni – Der Klimawandel wird zum Hauptfluchtgrund

Schoch: Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz und Sicherheit – daran erinnert der Weltflüchtlingstag .

Mehr als 100 Millionen Menschen sind auf der Flucht – dies ist die größte Zahl an Vertriebenen, die je registriert wurde.

Millionen von Menschen sind gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Seit 2001 wird der Weltflüchtlingstag am 20. Juni begangen. Dieser Tag soll zum einen ganz besonders die Stärke, den Mut und die Widerstandsfähigkeit, die Flüchtlinge, Binnenvertriebene und Staatenlose täglich aufbringen würdigen, zum anderen aber dazu aufrufen die Ursachen die zur Flucht führen zu bekämpfen. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen veröffentlicht dazu den jährlichen Bericht „Global Trends“, der die weltweit dramatische Situation in nüchterne Zahlen fasst.

Aktuell sind mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht – dies ist die größte Zahl an Vertriebenen, die je registriert wurde. Hinter diesen unfassbaren Zahlen stehen Millionen von individuellen Schicksalen und schreckliche Geschichten: Unter den Vertriebenen befinden sich Millionen Kinder – Zehntausende von ihnen unbegleitet. Ganze Generationen müssen als unter schwierigsten Bedingungen aufwachsen müssen und bekommen nicht die Chancen, die sie verdienen. Im vergangenen Jahr wurden Millionen von Menschen in Ländern wie Afghanistan, Somalia und der Ukraine innerhalb kürzester Zeit vertrieben. Kriege wie in Syrien und Jemen und Konflikte wie in Äthiopien dauern an. Millionen von Familien stehen vor der qualvollen Entscheidung, was sie mitnehmen und was sie zurücklassen sollten, wenn sie gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen.

Die Menschen in der Ukraine sehen sich einer humanitären Katastrophe mitten in Europa gegenüber. Über 7 Millionen Menschen haben in den vergangenen Monaten die internationalen Grenzen überquert. Die Zahl der in ganz Europa registrierten Flüchtlinge beträgt zurzeit 4,8 Millionen. Zusätzlich rechnet der UNHCR mit 7,1 Millionen Menschen, die innerhalb der Ukraine auf der Flucht sind. Schätzungen zufolge benötigen 15,7 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe und Schutz.

Das Weltklima ändert sich – und das in einer Geschwindigkeit, die die meisten Voraussagen der Wissenschaftler*innen übertrifft. Für viele Menschen sind die negativen Folgen des klimatischen Wandels bereits hautnah zu spüren. Viele Regionen der Erde sehen sich mit langanhaltenden Dürren konfrontiert; Unwetter nehmen zu. Millionen Menschen leben in den Brennpunkten des Klimawandels, haben aber nicht die Mittel, um sich an die zunehmend unwirtliche Umwelt und die erschwerten Lebensbedingungen anzupassen oder sie verlassen ihre Heimat nach einer verheerenden Naturkatastrophe auf der Suche nach einem Neubeginn. Der Klimawandel verstärkt den Wettstreit um die Ressourcen – Wasser, Nahrungsmittel, Weideland – und daraus können sich erneute Konflikte entwickeln. Der Klimawandel wird zum Hauptfluchtgrund.

80 Prozent der Flüchtlinge stammen aus armen krisengeschüttelten Ländern, die vom Klimawandel betroffen sind, aber kaum Ressourcen haben, um die Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern. Dazu gehören die fünf Länder, aus denen weltweit die meisten Flüchtlinge kommen: Syrien, Venezuela, Afghanistan, Südsudan und Myanmar. Die meisten Menschen, die im Zusammenhang mit den Klimaveränderungen und Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen werden, bleiben in ihren eigenen Ländern. 40% der Geflüchteten leben in Ländern, die durch Klimaveränderungen besonders betroffen sind.

Der Weltflüchtlingstag wirft also ein Licht auf die Rechte, Bedürfnisse und Träume von Flüchtlingen und trägt dazu bei, politischen Willen und Ressourcen zu mobilisieren, damit Flüchtlinge nicht nur überleben, sondern auch wieder eine Perspektive bekommen.

Jeder hat das Recht, Schutz und Sicherheit zu suchen: Egal wer man ist, woher man kommt und wann man zur Flucht gezwungen ist. Daran soll an diesem Weltflüchtlingstag erinnert werden.

Doch was bedeutet das genau?

1. Recht auf Asyl

Jeder, der vor Verfolgung, Konflikten oder Menschenrechtsverletzungen flieht, hat das Recht, in einem anderen Land Schutz zu suchen.

2. Sicherer Zugang

Die Grenzen sollen für alle Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, offen bleiben – ohne Zugangsbeschränkungen und Grenzschließungen.

3. Keine Pushbacks

Menschen dürfen nicht gezwungen werden, in ein Land zurückzukehren, wenn dort ihr Leben oder ihre Freiheit auf dem Spiel stehen würden.

4. Keine Diskriminierung

Menschen dürfen an Grenzen nicht diskriminiert werden. Alle Asylanträge müssen fair geprüft werden, unabhängig von Faktoren wie Rasse, Religion, Geschlecht und Herkunftsland.

5. Humane Behandlung

Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, sollen mit Respekt und Würde behandelt werden. Das bedeutet auch: Familien zusammenzuhalten, Menschen vor Menschenhändlern zu schützen und willkürliche Inhaftierungen zu vermeiden.

Verwandte Artikel