Die Zukunft der Pflege

Pressemitteilung Nr. 31/2022
Emmendingen, den 04.05.2022


Digitales Pflegegespräch mit den Landtagsabgeordneten Petra Krebs und Alexander Schoch

Die Pflege- und Gesundheitsversorgung steht vor großen Herausforderungen, die während der Corona-Pandemie noch deutlicher wurden. Wie können Lösungen aussehen? Welche Maßnahmen werden in Baden-Württemberg ergriffen um die pflegerische Versorgung zu stärken? Um diese Fragen zu diskutieren, hat der Landtagsabgeordnete Alexander Schoch seine Landtagskollegin Petra Krebs, den Vorsitzenden von Verdi Südbaden Reiner Geis und Akteure aus dem Pflegebereich zum Pflegegespräch eingeladen. Petra Krebs ist Vorsitzende des grünen Arbeitskreises für Soziales, Gesundheit und Pflege im Landtag von Baden-Württemberg und war vor Ihrer Abgeordnetentätigkeit selbst in der Krankenpflege tätig.

Das dringendste Thema, so stellte sich im Gespräch rasch heraus, sind die Rahmenbedingungen im Pflegeberuf. „Die Pflege ist eine wunderbare, tief befriedigende Arbeit, wenn man sie ordentlich machen kann.“, so eine Teilnehmerin. Das sei aber selten möglich. Zu wenig Personal, zu wenig Zeit. Darunter leide die Qualität, aber auch die Pflegenden selbst. „Es muss das Ziel sein, den Pflegeberuf so ausüben zu können, dass man abends zufrieden nach Hause gehen kann.“, stimmte Petra Krebs zu. Um diesem Ziel näher zu kommen, habe die grüne Landtagsfraktion ein Sofortprogramm Pflege erarbeitet. Danach sollen 10% mehr Ausbildungsplätze entstehen und Maßnahmen entwickelt werden, um den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen und zu erreichen, dass Pflegende ihren Beruf länger ausüben oder zurückkehren. Außerdem soll das Anerkennungsverfahren ausländischer Pflegekräfte vereinfacht und beschleunigt und die Einführung einer Landespflegekammer vorangetrieben werden.

Zur Sprache kam auch die Frage der Impfpflicht. Alexander Schoch stimmte den Kritikern zu, die die einrichtungsbezogene Impfpflicht nach dem Scheitern der allgemeinen Impfpflicht, für die sich der Abgeordnete eingesetzt hatte, problematisch sei.

Auch Reiner Geis führte hohe Belastung und geringe Wertschätzung als Hauptgründe für die vielen offenen Stellen an, finanzielle Gründe würden hingegen seltener genannt, wenn der Pflegeberuf aufgeben wird. „Es gibt eigentlich genug Pflegekräfte.“, sagte er. „Viele arbeiten aber wegen der Rahmenbedingungen nicht in ihrem Beruf.“ Finanzielle Verbesserungen alleine seien aus Verdi-Sicht daher nicht ausreichend, dringend notwendig sind auch die Verbesserung der Arbeotsbedingugen. Er fordert von der Politik die Sicherheit für Arbeitgeber, dies für alle Berufsgruppen im Pflegebereich zu refinanzieren, nicht nur für die examinierten Kräfte. Hier setzt auch seine Kritik an der im Land geplanten Pflegekammer an: da diese nicht allen Berufsgruppen in der Pflege offenstehe, könne sie keine wirkliche Interessensvertretung sein.
Bei den Gesprächsteilnehmern stieß die Pflegekammer jedoch auf breite Zustimmung. Ein Sprachrohr könne sie sein, dabei helfen, die Pflege in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. „Die Pflegefachkräfte brauchen eine starke Stimme im Gesundheitswesen und mehr Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.“, findet auch Petra Krebs.

Alexander Schoch bedankte sich für den konstruktiven und interessanten Austausch: „Berichte und Anregungen aus der Praxis sind wichtig und für die politische Arbeit und helfen, uns zielgerichtet für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege einsetzen.“

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