Zum Tag Baums und der Umsetzung von Natura 2000 im Landkreis Emmendingen

Schoch: „Am 25. April jährt sich der Tag des Baumes zum 70. Mal. 1952 hat die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald den Tag ins Leben gerufen, um auf die Waldschäden, die durch den Krieg verursacht wurden aufmerksam zu machen. Auch der Wald trägt entscheidend zur Biodiversität bei. Der Tag des Waldes gilt mittlerweile als größter Baumpflanzaktions- und Veranstaltungstag rund um die Themen Wald und Baum, Biodiversität und ist wichtiger denn je.“

Biodiversität steht für die Vielfalt der Ökosysteme, die genetische Vielfalt und den Reichtum an Arten bei Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen. Biodiversitätsverlust ist neben Klimawandel das herausragende Thema im Umwelt- und Naturschutz. Die Bäume, die Wälder sind durch den Klimawandel und durch Biodiversitätsverlust stark beansprucht. Extreme Wetterereignisse wie starke Hitze und Trockenheit, starke Stürme und Gewitter haben an unseren Wäldern dauerhaft Schäden angerichtet. Gleichzeitig sind unsere Bäume unabdingbar, um den Klimawandel zu bekämpfen. Der Tag des Baumes soll uns darauf aufmerksam machen, wie wertvoll unsere Bäume sind und welche Bedeutung die Schutzgebiete haben.

In diesem Zusammenhang spielt das europäische ökologische Schutzgebietsnetz, Natura 2000, ebenfalls eine wichtige Rolle, denn innerhalb dieser Schutzgebietsnetzes sind bestimmte, europaweit bedeutsame natürliche Lebensräume sowie wild lebende Tiere und Pflanzen geschützt. Hier im Ländle haben wir inzwischen diese Schutzgebiete festgelegt und der Europäischen Kommission gemeldet. So soll die biologische Vielfalt und das europäische Naturerbe bewahrt werden. Um den anhaltenden Rückgang von wild lebenden Arten und natürlichen Lebensräumen in der EU entgegenzuwirken und die biologische Vielfalt zu erhalten.

So bilden FFH- und die Vogelschutzrichtlinie die rechtliche Grundlage für das Schutzgebietsnetz Natura 2000! Natura 2000 ist ein europäisches ökologisches Schutzgebietsnetz, das von der Europäischen Union auf Grundlage der Vogelschutzrichtlinie und der FFH-Richtlinie (Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt, Habitat = Lebensraum) errichtet wurde. Innerhalb dieses Schutzgebietsnetzes sind bestimmte, europaweit bedeutsame natürliche Lebensräume sowie wild lebende Tiere und Pflanzen geschützt. Jedes Natura 2000-Gebiet ist einzigartig. Um seinen Wert weiterhin zu sichern und auch verbessern zu können, ist festzustellen, wo die besonderen Lebensräume und Arten von europäischer Bedeutung vorkommen. Zudem werden speziell auf das jeweilige Gebiet abgestimmte Erhaltungs- und Entwicklungsziele und daraus abgeleitete Maßnahmen entwickelt, die in Managementpläne festgehalten werden, diese informieren umfassend und detailliert über das jeweilige Natura 2000-Gebiet. So wurden dem Abgeordneten Alexander Schoch aufgrund seiner Anfrage mitgeteilt, dass die Managementpläne im Landkreis Emmendingen, das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg bis Ende 2021 erstellt worden sind. Nach den Richtlinien muss jeder Mitgliedstaat der Europäischen Union seine Natura 2000-Gebiete der Europäischen Kommission melden. In Deutschland sind dafür die Bundesländer zuständig.

Im Landkreis Emmendingen überlagern sich z.B. einige der FFH- und Vogelschutzgebiete, sodass teilweise auch hierüber weitere rechtlicher Sicherungen bestehen, da der Schutzzweck  von NSGs dem Sinn nach auch die über die FFH und Vogelschutzrichtlinie geschützen Arten abdeckt. Dieses ist z.B. der Fall beim SSG Rheinniederung Wyhl-Weisweil und mehreren NSGs im Rohrharsberg Gebiet. In einigen neuen NSG Verordnungen wurde die Sicherung der FFH Lebensraumtypen und Arten explizit ausformuliert und in den Schutzzweck aufgenommen. So gilt z.B. beim

NSG Elzwiesen . Schutzzweck ist auch die Erhaltung der Lebensraumtypen und Arten der FFH Richtline und der Vogelschutzrichtline wie Fließgewässer mit flutender Wasservegetation, magere Flachland-Mähwiesen, die Gemeine Flussmuschel, die Helm-Azurjunger, der große Feuerfaltern, der Große Brachvogel sowie mehrere hier als Durchzügler oder Wintergäste vorkommende Zugvögel, insbesonder Wat- und Greifvogelarten.

Oder NSG „Yacher Zinken“ – der Schutzzweck ist auch hier die Erhaltung der Lebensraumtypen der FFH Richtline wie artenreiche Borstengrasrasen, Schlucht- und Hangmischwälder sowie Erlen- und Eschenwälder an Fließgewässern sowie außerdem feuchte Hochstaudenfluren, magere Flachland- Berg-Mähwiesen, Silikatschutthalden, Silikatfelsen und ihre Felsspaltenvegetation , Pionierrasen auf Silikatfelskuppen und Hainsimsen Buchenwald sowie die Erhaltung der Arten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie wie Raufußkauz, Sperlingkauz, Auerhuhn, Haselhuhn, Wanderfalke, Neuntöter, Mittelspecht, Schwarzspecht, Dreizehenspecht und ihrer Habitate. Die Umsetzung der Managementpläne erfolgte durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises mit Unterstützung des Regierungspräsidiums und dem Landschaftserhaltungsverband durchgeführt. Die erste Runde der FFH Managementpläne wurde im Regierungsbezirk Ende 2021 abgeschlossen. Aktuell ist die Fortführung der Managementpläne in der Abstimmungsphase, hierbei geht es um die fortlaufende Evaluation und die zielgerichtete Nachsteuerung bei möglichst effizientem Einsatz der Ressourcen.

Folgende 8 FFH Gebiete haben liegen teilweise oder ganz im Landkreis Emmendingen: Taubergießen, Elz und Ettenbach; Schwarzwald-Westrand von Herbolzheim bis Hohberg; Schwarzwald zwischen Kenzingen und Waldkirch; Kaiserstuhl; Rheinniederung von Breisach bis Sasbach; Mooswälder bei Freiburg; Rohrhardsberg, Obere Elz und Wilde Gutach; Kandelwald, Roßkopf mit Zartener Becken. Das sind im Landkreis Emmendingen etwa eine Fläche von ca. 10515 ha oder 46,6% der Gebiete die im Landkreis liegen. Bei den Vogelschutzgebieten liegen folgende 7 Gebiete teilweise oder ganz im Landkreis Emmendingen: Elzniederung zwischen Kenzingen und Rust;  Johanitterwald; Rheinniederung Breisach, Sasbach mit Limberg; Mooswälder bei Freiburg; Kaiserstuhl; Mittlerer Schwarzwald was eine Fläche von ca. 12.550 bzw. 31% die auf dem Gebiet des Landkreises liegen. Der Managementplan mittlerer Schwarzwald ( 5300 ha im Landkreis Emmendingen) wird noch von einem Fachbüro bearbeitet und soll Ende 2024 vorliegen. Um für alle Lebensraumtypen und Arten den sogenannten günstigen Erhaltungszustand zu erreichen, sind in BW in den nächsten Jahren enorme Anstrengungen erforderlich. Die Naturschutzverwaltung arbeitet momentan an einem Konzept um zu identifizieren, welche Landkreise für welche konkreten Lebensraumtypen mit welchen Maßnahmen einen besonders effizienten Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten können. Für die FFH-Arten gibt es in Baden-Württemberg derzeit noch keine vergleichbare Zielkonzeption wie bei den Lebensraumtypen, jedoch profitieren viele Arten davon, wenn sich die von ihnen genutzten Lebensräume verbessern. Für den Landtagsabgeordneten ist es wichtig, dass zum einen die Umsetzung der Managementpläne für die Natura 2000 Gebiete im Landkreis Emmendingen so gut umgesetzt wurden. Zum anderen zeigt uns die Situation bei der Sicherung der Biodiversität, dass wir noch viel leisten müssen um die Zukunft unserer Erde zu sichern. Die Uhr tickt. Höchste Zeit, dass sich alle Beteiligten, politische Entscheidungsträger, Wirtschaftsunternehmen, Kommunen und Bürger aufmachen, im eigenen Bereich tätig zu werden oder besser noch gemeinsam einen Betrag für die Biodiversität zu leisten. Die Landesregierung Baden-Württemberg hat mit dem Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt ein starkes Signal gesetzt, was aber nur zum Erfolg führt indem es konsequent fortgesetzt wird.

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