Impfung von Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften

Zum Kommentar „Angst vor Neiddebatte? Impfberechtigte Geflüchtete sind das Schlusslicht“ vom 22.04.2021 in der Badischen Zeitung

Pressemitteilung Nr. 53/2021
Emmendingen, den 04.05.2021

In der Badischen Zeitung vom 22.04.2021 wies Theresa Steudel darauf hin, dass die Geflüchteten in den Sammelunterkünften im Landkreis Emmendingen trotz Eingruppierung in Priogruppe 2 noch nicht geimpft worden sind. Das sei nicht geschehen, so vermutet sie, „weil niemand da ist, der stellvertretend laut schreien kann, dass das so nicht geht. (…) Und spekulieren kann man über einen weiteren Grund: die Angst der Politiker vor einer Neiddebatte.“

Dazu möchte Alexander Schoch folgendes anmerken:

„Einsätze mobiler Impfteams in Flüchtlingsunterkünften sind seit dem 11.03.21 von Landesseite freigegeben, sofern Einrichtungen der ersten Priorität bereits verimpft sind und in den Unterkünften eine gewisse Anzahl an impfberechtigten Personen zusammenkommt. Die Terminierung obliegt hier nicht der Politik, sondern den Impfzentren. Seit 22.04. ist ein solcher Einsatz bereits ab 20 Personen möglich.

Ich habe mich beim Landratsamt Emmendingen erkundigt, wo und ob ein solcher Einsatz in Frage kommen könnte. Jedoch lebt der überwiegende Anteil der Geflüchteten aufgrund des hier praktizierten Herbolzheimer Modells nicht in großen Sammelunterkünften. Daher kommt für einen solchen Einsatz nur eine Einrichtung in Frage, deren Bewohner jedoch nicht alle geimpft werden wollen, so dass die nötige Anzahl an Impflingen für einen solchen Einsatz nicht zusammengekommen sei. Generell zeige sich eine sehr geringe Impfbereitschaft, die laut Landratsamt auf verschiedene Ängste wie z.B. Impffolgen, die Möglichkeit einer Abschiebung nach Impfung oder den auch in anderen Teilen der Bevölkerung verbreiteten Verschwörungsmythen über Impfungen. Wer geimpft werden will, werde dabei von der Flüchtlingssozialarbeit unterstützt.

Ich möchte also betonen, es fehlt hier nicht am politischen Mut einer eventuellen Neiddebatte standzuhalten, sondern am Vertrauen in die Impfung und damit ausreichend Aufklärungsarbeit. Hier haben Politik, Verwaltung und Gesellschaft noch etwas aufzuholen und ich hoffe, dass die bestehenden Ängste und Unsicherheiten bezüglich der Impfungen abgebaut werden können.“

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