Am 11.03. jährt sich die Katastrophe von Fukushima bereits zum 10. Mal

Am 11. März 2011 bebte etwa 9000 Kilometer entfernt die Erde, ein Tsunami überrollte Japans Küste und im Atomkraftwerk von Fukushima kam es zur nuklearen Katastrophe und zur erheblichen Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umwelt. Nach Tschernobyl war dies erneut eine Katastrophe die deutlich machte, wie unberechenbar und gefährlich die Atomenergie ist, so Alexander Schoch heute.
Wie er die Katastrophe vor 10 Jahren erlebt hat, welche Rolle sie seiner Meinung nach für die Landtagswahl 2011 gespielt hat und was danach kam, hat der Abgeordnete zu folgenden Fragen in einem Interview geantwortet:

Wie erlebten Sie damals die Fukushima-Katastrophe?
Ich hatte mit Terre des Femmes anlässlich des 100. Internationalen Weltfrauentages die Ausstellung „Tatmotiv Ehre“ im Rathaus in Waldkirch organisiert. Am 10. März war um 18.oo Uhr die Eröffnung der Ausstellung. Am 11. März war ich zur Zeit des Erdbebens und der sich danach anbahnenden Katastrophe im Rathaus und hatte Ausstellungsstanddienst. Mein Handy stand nicht mehr still und auch ich hatte großen Informationsbedarf. Es überschlugen sich die Ereignisse an diesem Tag.
Es wurde mir erst im Laufe des Tages klar, dass in Fukushima was passiert war, was viele Menschen für unwahrscheinlich gehalten hatten, die Kernschmelze in einem Atomkraftwerk in Japan, einem Hochtechnologieland. Am 11. März 2011 löste eines der stärksten je in Japan gemessenen Erdbeben einen Tsunami aus, der das AKW in Fukushima schwer traf und zu einem der schwersten Atomunfälle der Geschichte führte. In vier von sechs Atomreaktoren kam es zur Kernschmelze und damit zum Super-GAU. Es war der größte Atomunfall seit Tschernobyl 1986!

Welche Rolle spielte die Katastrophe für die Landtagswahl?
Natürlich hatte die Katastrophe auch vor dem Hintergrund, dass gerade hinsichtlich des rot-grünen Atomausstiegs aus dem Jahre 2000 und den im Herbst 2010 beschlossenen Laufzeitverlängerungen durch die Bundesregierung und der damaligen CDU geführten Landesregierung in BW folgen auf die Landtagswahl 2011. Viele Tausend Menschen gingen in Deutschland auf die Straße, um für einen schnellen Atomausstieg zu demonstrieren.
Die Katastrophe von Fukushima machte nochmal deutlich, dass die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke der falsche Weg war, worauf ein Monat nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima der Atomausstieg durch Kanzlerin Angela Merkel verkündet wurde. Nach mehr als 30 Jahren Streit um einen Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie hat die Katastrophe von Fukushima am Ende den Ausschlag gegeben.

Gab es Nachwehen? (vor allem auf die Wahl bezogen)?
Die Forderung nach dem sofortigen Atomausstieg wurde von einer relativ breiten Mehrheit, über alle Parteien hinweg getragen. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz waren von diesem Ereignis geprägt und hat den Grünen einen Stimmenzuwachs eingebracht. Dadurch gab es in Baden-Württemberg einen Regierungswechsel hin zu einer grün-roten Regierungskoalition und in Rheinland Pfalz kam eine rot-grüne Koalition zustande. Aber auch bei allen anderen Wahlen die nach Fukushima in Deutschland im Jahr 2011 stattfanden, konnten die Grünen Gewinne verbuchen.  

Die Stilllegung von Fessenheim war ein wichtiger Schritt, um die atomare Gefahr in der Oberrheinregion zu reduzieren. Daher ist es nur konsequent, dass die Verbandsversammlung des Regionalverbands Südlicher Oberrhein eine Resolution zur Abschaltung grenznaher Atomkraftwerke in der Schweiz beschlossen hat. Diese Resolution wendet sich an die politisch Verantwortlichen in der Schweiz und in Deutschland. Konkret wurde darin die umgehende Stilllegung des Atomkraftwerks Beznau sowie die zeitnahe Stilllegung der Atomkraftwerke Leibstadt und Gösgen gefordert. Zur Begründung wurde auf die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sowie auf das steigende Risiko bei älteren Atomreaktoren verwiesen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass es für die alten Kernkraftwerke in der Schweiz keine Ausstiegsszenarien und Enddaten gibt. Beznau wurde 1969 in Betrieb genommen und ist das älteste Kernkraftwerk der Welt. Diese Atomkraftwerke sind allesamt in einem Alter, in dem sie in Deutschland bereits abgeschaltet worden wären. Wichtig ist, dass der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert hat, die Möglichkeiten eines Exportverbots von Kernbrennstoff für diese Atomkraftwerke zu prüfen. Ich denke ein Exportverbot würde die Forderungen nach Stilllegung der alten grenznahen AKW unterstützen.

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