Kostengünstig und ökologisch bauen – ein Widerspruch?

Im BIZZZ in Bleibach – Architekt Klaus Wehrle und Alexander Schoch MdL im Gespräch

Unter diesem Motto stand das Treffen des Architekten und Projektplaners Klaus Wehrle und dem Landtagsabgeordneten Alexander Schoch. Barbara Schuler vom Kreisverband Emmendingen B90/Die Grünen leitete durch den Abend. Wehrle ging in seinem Vortrag zuerst auf einige Besonderheiten des aktuellen Baubooms ein. Derzeit verschiebt sich das Anlageverhalten. Geldanlagen sind unattraktiv und deshalb investieren viele in Immobilien. Der klassische Bauherr, kann zu sehr günstigen Konditionen Geld leihen, um Eigentum zu erwerben. Trotzdem liegt die Eigentumsquote der Deutschen, je nach Region 25 – 30%, weit unter dem europäischen Durchschnitt von 50-70%. Ein Kostentreiber sind die hohen Grundstückspreis, der dann u.a. zum Parkraum umgewandelt wird, je nach Gemeinde werden bis zu 2 Stellplätze gefordert, das ist gerade bei Projekten innerhalb einer Gemeinde oft sehr schwer umzusetzen. 

Durch verbesserten ÖPNV und andere Mobilitätsangebote, sollen die Bewohner die Flächen gemeinsam nutzen, hier kommt der Quartiersgedanke zum Tragen. Die Menschen in größeren Wohneinheiten sollen die Möglichkeit haben sich auf Freiflächen auszutauschen oder es etabliert sich ein kleiner Markt an einem Wochentag. Als praktisches Beispiel führt er den Gutacher Gutshof an. Dort herrscht eine Mischung von Eigentums- und Mietwohnungen. Man hat auch Wert daraufgelegt, dass eine bunte Mischung, ein kleines Abbild unserer Gesellschaft, hier seine Wohnung beziehen konnte. Für alle steht der, durch einen Verein bewirtschaftete Gemeinschaftseinrichtung, der Pferdestall zur Verfügung.

Dieser Gedanke müsste noch viel mehr in die kommunalen Bauleitplanungen berücksichtigt werden, denn dadurch entsteht auch eine Lebendigkeit in Quartieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt für kostengünstiges Bauen, ist die Flächenausnutzung. Grund und Boden sind in unserer Region ein teures Gut, vor allem entlang der S-Bahn Linien, d. h. es muss auch wieder Geschosswohnungsbau erstellt werden.  Das ist in den letzten Jahrzehnten sehr vernachlässigt worden. Sozialquoten sind auch hier ein Hilfsmittel um einkommensschwächeren Menschen eine Mietwohnung zu ermöglichen, ebenso die Reduzierung vom Stellplatzschlüssel.

Schoch weist hier auch auf die Änderungen in der Landesbauordnung (LBO) hin, es wurde z.B. die  Möglichkeit geschaffen, nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Fläche einfacher bebauen zu können oder die  Bildung von Grundstückfonds, d. h.  das Land kauft das Grundstück auf und hält es für einen zuvor vereinbarten Zeitraum im Grundstücksfonds, den die Kommune benötigt, um eine Bauleitplanung umzusetzen bzw. die Voraussetzungen für bezahlbares Wohnen zu schaffen.

Wo steckt nun der ökologische Aspekt? Hier geht es um die Auswahl der verbauten Materialien. Bei Beton sprechen wir von der sogenannten „grauen Energie“, das ist der Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse. Um diesen zu minimieren sollten wir auf natürlich wachsende Rohstoffe zurückgreifen, deshalb werden wieder vermehrt Holzhäuser erstellt, mittlerweile auch im Geschosswohnungsbau. Hier ist der Vorfertigungsgrad außerhalb der Baustelle sehr hoch, was einen effizienten Herstellungsprozess ermöglicht und somit kosten spart, das gilt auch für herkömmliche Fertighäuser. Durch die Verwendung neuer Baumaterialien kann auch die Dämmung der Häuser anders erfolgen.

Die abschließende Frage von Barbra Schuler, wie sich das neue Energie Gesetz auf die Baukosten auswirkt, beantwortete Schoch, als nicht ausschlagegebenden Kostentreiber, hier seien die CO2-Zertifikate, die bei der Herstellung von Baustoffen benötigt werden, viel weitreichender in ihrer Auswirkung.

Daher so Alexander Schoch, muss ein Gebäude als Gesamtwerk aus Wohnqualität, Pflege und späterem Recycling betrachtet werden und wenn man die jeweilige Energie- und CO2-Bilanz des unter ökologischen Gesichtspunkten entstanden Bauwerks betrachtet, lässt sich heute schon ein klares Fazit ziehen, ökologisches Bauen ist in jedem Fall günstiger, sowohl für den Bauherrn, die Bewohner und erst recht für unseren Planeten, zum Abschluss der Veranstaltung.

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