Alexander Schoch und Reinhold Pix

Weinbau im Wandel – 10. Hofgespräch mit Alexander Schoch MdL und Reinhold Pix MdL

Pressemitteilung Nr. 104/2020
Emmendingen, den 08.10.2020

Weinbau im Wandel – 10. Hofgespräch mit Alexander Schoch MdL und Reinhold Pix MdL
Alexander Schoch lud dieses Jahr bereits zum 10. mal zum Hofgespräch ein. Dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Weinbau. Aufgrund der Corona Hygiene- und Abstandsregeln fand die Veranstaltung im Bürgersaal in Endingen statt.
Neben Gastredner Reinhold Pix, dem weinbaupolitischen Sprecher der grünen Fraktion, hielt Bettina Stumpf-Maroska ein Grußwort für die Stadt Endingen. Außerdem konnte der Abgeordnete Rainer Zeller, Präsident des Badischen Weinbauverbandes, Werner Räpple, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Dr. Martin Schreiner, Dezernatsleiter Landwirtschaft und Forst im Landkreis Emmendingen und Martin Schmidt, 2. Vorsitzender des ECOVIN Regionalverbandes Baden e.V begrüßen.
Die Bürgermeisterstellvertreterin spannte in ihrem Grußwort einen weiten Bogen von den Anfängen des Weinbaus an Oberrhein und Kaiserstuhl durch die Römer über die schwierige Zeit vor rund 177 Jahren als viele Kaiserstühler, darunter auch Endinger, aufgrund der wirtschaftlichen Situation z.B. nach Venezuela in die heutige Partnerstadt Colonia Tovar auswandern mussten, bis hin zur heutigen Zeit mit den großen Herausforderungen wie den Klimawandel und der daraus folgenden Notwendigkeit, sich dagegen einzusetzen.
Alexander Schoch nahm diesen Ball auf und ging auf das Biodiversitätsstärkungsgesetz ein, das vor der Sommerpause verabschiedet werden konnte. Im Zusammenhang mit diesem Gesetz wurde auch die Notwendigkeit eines neuen Gesellschaftsvertrages diskutiert, durch den das Verhältnis zwischen Erzeuger, Handel und Verbraucher neu geregelt werden soll und damit ein Umdenken einhergehen muss.
„Nur, wenn alle an einem Strang ziehen, sind diese ambitionierten Ziele zu erreichen.“, so Schoch weiter. Das Gesetz hat sich aus dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ heraus entwickelt und wurde von einem breiten Bündnis aus Naturschutz und Landwirtschaft getragen. „Dieses breite Bündnis hat einen praktikablen Weg gefunden, wie wir die biologische Vielfalt fördern und eine naturnahe Landwirtschaft mit weniger Pflanzenschutzmitteln auf unseren Äckern verbinden können.“ Denn das Gesetz sieht unter anderem einen Anteil von Biolandwirtschaft von 30-40 % und eine Reduktion der Pestizide von 40-50% bis 2030 vor.
Außerdem wird zurzeit das Klimaschutzgesetz aus dem Jahre 2013 novelliert und den Anforderungen angepasst, um auch die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen. Alexander Schoch hofft, dass das Gesetz noch im Oktober verabschiedet werden kann. Für ihn stellt auch die Biomusterregion eine große Chance bei der Umsetzung der Ziele dar. 
Reinhold Pix betrachtete in seinem Vortrag – Wandel im Weinbau – zuerst die weltweite Situation des Weinbaus. Er stellte fest, dass in vielen klassischen Weinbauländern Probleme mit Hitze und Trockenheit herrschen. In Spanien wird mittlerweile Weinbau bis auf einer Höhe von 1000 Meter betrieben. Wasserknappheit, –transport und Meerwasserentsalzung seien vielfache Folgen.
Bei einem weiteren Temperaturanstieg von 2,7-4,7 Grad Celsius bis 2070 wird Weinbau im Mittelmeerraum nicht mehr möglich sein. Das zeigt auch die Rebsortenverschiebung nach Norden. Zum Bespiel fühlt sich 2020 der Merlot im Kaiserstuhl sehr wohl, 2050 ist es hingegen der Syrah. Und in Dänemark ändert sich das Spektrum von Müller-Thurgau zu Riesling.
„Für unsere Region ergeben sich erst einmal einige positive Effekte.“, so Pix. Baden würde sich klimatisch zu den Top-Lagen in Europa entwickeln und die Konkurrenz aus dem Süden würde wegbrechen.
Der regionale Weinbau hätte allerdings vermehrt mit Frühaustrieben, Lagenverschiebung, steigenden Öchslegraden, Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), Essigfäule (Gluconobacter, Acobacter) zu kämpfen und müsste einen höheren Pestizidaufwand betreiben bei schwindender Biodiversität.
Um diese riesigen Probleme noch abfangen zu können, könnten Neuzüchtungen (pilzwiderstandsfähige Rebsorten) die lockerbeerig und hartschalig sind und dabei Trockenheit gut aushalten, helfen. Auch Digitalisierung, Mechanisierung, Pheromonverwirrung und die Reduktion von Herbiziden könnten wichtige Bausteine sein. Gerade im konventionellen Weinbau seien hier erhebliche Einsparungen möglich, betonte Pix.
Darüber hinaus müssen für die Winzer in Zukunft weitere finanzielle Anreize geschaffen werden, wie eine Prämie für Begrünung oder Gründüngung. Im Bioweinbau ist die Legalisierung von Kaliumphosphonaten unabdingbar.
Auch die Biomusterregion Freiburg kann ihren Teil dazu beitragen, die großen Herausforderungen der Zukunft anzupacken.
Reinhold Pix betonte, dass es kein Gegeneinander von konventionell und bio geben darf. Man dürfe sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.
Im anschließenden Gespräch stellte Martin Schmidt fest, dass die Biodiversität im Weinberg durch die unterschiedlichen Strukturen wie Böschungen, Hecken und Bäume sehr groß ist. Die größte Herausforderung der Zukunft wird die Erlössituation für die Winzer sein. Weitere Anforderungen wie ein Herbizidverzicht müssen daher gefördert werden.
Rainer Zeller machte auf die vielen kleinen Nebenerwerbswinzer aufmerksam, die einen wichtige Funktion für die Offenhaltung der Reblandschaft übernehmen. Viele von Ihnen finden keine Nachfolger.
„Wenn die Fläche auch weiterhin offengehalten werden soll, muss das Land Geld in die Hand nehmen.“, sagte er. Auch er erwähnte die schlechten Preise, die die Winzer zurzeit am Markt erzielen können. Für die Zukunft wünscht er sich ein gutes Miteinander und hofft auf eine Marke „Baden“.
Alexander Schoch nutzte die Gelegenheit dem Weinbaupräsidenten zu seiner Wahl zu gratulieren und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit.
Für Werner Räpple ist der gefundene Kompromiss im Biodiversitätsstärkungsgesetz gut. Er lobte die fachlich gute Anhörung im Landtag, die auch die von den Landwirten geforderte wissenschaftliche Betrachtung berücksichtigt hat.
Der Klimawandel hat die Landwirte überrollt. Wasserknappheit, neue Schädlinge und neue Pilze bringen neue Herausforderungen auch im Pflanzenschutz mit sich. Um das Bodenleben anzureichern ist der Humusaufbau wichtig, auch um die Feuchtigkeit im Boden zu halten.
Die neue Förderperiode ab 2022 muss auf die verschiedenen Veränderungen Antworten haben. Das Land muss tätig werden.
Vielfalt erhält Vielfalt: Je mehr Betriebe es gibt und je unterschiedlicher die Betriebe sind, desto höher ist die Vielfalt, so das Fazit des Präsidenten.
„Vielen Dank für Ihre guten Redebeiträge. Wir haben heute wieder einmal festgestellt, dass wir die großen Zukunftsfragen nur zusammen lösen können. Wir, Reinhold Pix und ich nehmen Ihre Anregungen und Forderungen mit nach Stuttgart und werden uns für die zukunftsfähige Entwicklung des Weinbaus und die Sicherung der Existenz der Weinbaubetriebe weiterhin mit vollem Engagement einsetzen“, so der Abgeordnete zum Schluss.

Verwandte Artikel