Exkursionsteilnehmer vor der Wolfsgrubenhütte

Alexander Schoch MdL trifft sich anlässlich der Deutschen Waldtage mit Experten zur Waldbegehung

Alexander Schoch MdL trifft sich anlässlich der Deutschen Waldtage mit Experten zur Waldbegehung

Pressemitteilung Nr. 100/2020
Emmendingen, den 30.09.2020

Von Fr, 18.- So, 20. September fanden die Deutschen Waldtage 2020 statt. Diese regelmäßig stattfindende Veranstaltung wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Deutschen Forstwirtschaftsrat e.V. (DFWR) initiiert. In diesem Jahr lautete das Motto Gemeinsam! Für den Wald. Bundesweit wurden regionale Veranstaltungen durchgeführt, um den Wald in den Fokus zu rücken. Im Landkreis Emmendingen gab es eine Veranstaltung zu „Wald und Gesundheit“. Hier stand die Fragestellung im Mittelpunkt, wie sich der Wald auf unsere Gesundheit auswirken kann.
Alexander Schoch MdL nahm die Waldtage zum Anlass, sich mit Experten bei einer Exkursion unter dem Motto – Wald im Wandel – im Stadtwald Elzach ein eigenes Bild über die Situation des Waldes zu machen.
An der Wolfsgrubenhütte auf 960 Metern Höhe begrüßten Elzachs Bürgermeister Roland Tibi und Alexander Schoch die Teilnehmer. Ein besonderer Dank ging an den Dezernatsleiter Ländlicher Raum und Forst im Landkreis Emmendingen Dr. Martin Schreiner und den Revierförster Simon Fischer für ihre Bereitschaft einige interessante Einblicke in den Wald der Hochlagen zu gewähren.
Mit 750 Hektar gehört der Elzacher Stadtwald zu den großen im Landkreis. Ein Großteil des Waldes ist ca. 70 Jahre alt, da er nach den Reparationszahlungen an Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg erst wieder aufgeforstet wurde. Seit 1871 gibt es die Forsteinrichtung als Planungsgrundlage für eine nahhaltige Waldbewirtschaftung. Obwohl es das Einheitsforstamt leider nicht mehr gebe, ist die Betreuung des Gemeindewaldes durch den Landkreis weiterhin ein wichtiger Baustein für die Entwicklung des Waldes in seinen unterschiedlichen Funktionen, sagte Bürgermeister Tibi.
Alexander Schoch ging in seiner Begrüßung auf die verschiedenen Aufgaben des Waldes ein und die damit einhergehenden, teilweise widersprüchlichen Anforderungen. Neben der klassischen Forstwirtschaft, spielen Naturschutz, CO2-Puffer, Tourismus, Bodenschutz und Erholung eine große Rolle. Die unterschiedlichen Nutzungen unter einen Hut zu bringen, werde immer schwieriger. Schoch erinnerte an die Diskussion um Windkraftnutzung und Auerhahnschutz und den Umgang mit dem Wolf.
Bezüglich des Wolfes herrscht große Unsicherheit bei Landwirten und Waldbesitzern. Gerade in den Steillagen ist eine sinnvolle Wolfsprävention sehr schwierig oder gar nicht umsetzbar. Die Befürchtungen sind groß, dass viele bäuerliche Betriebe sich in ihrer Existenz gefährdet sehen könnten.
Die langjährige Trockenheit setze auch dem Wald in den Hochlagen zu, berichtete Dr. Schreiner. Die lange vorhergesagten Veränderungen des Klimas, wie Trockenheit und Erwärmung, seien schneller gekommen als gedacht. Der Bodenwasserspeicher sei praktisch aufgebraucht. Besonders die älteren Bäume können nur schlecht auf so schnelle Veränderungen reagieren.
Der Landkreis Emmendingen ist mit 46% sehr waldreich. Rund 50% des Waldes ist in Privatbesitz. Da der Wald durch den Klimawandel nicht mehr stabil und der Holzpreis sehr niedrig ist, werden die Waldbesitzer vom Staat durch Fördermassnahmen unterstützt.
Beim Waldbegang wurde ein alter Buchenbestand besichtigt. Alte Buchen reagieren sehr empfindlich auf die Trockenheit. Zuerst ist lange nichts zu erkennen. Dann werden Blätter und Äste abgeworfen, danach platzt die Rinde auf. Die Buche stirbt recht dann schnell ab. Auch ein plötzliches Freistellen sorgt für Stress und Sonnenbrand. Das Ernten der absterbenden Buchen ist sehr gefährlich, da die abgestorbenen Äste in den hohen Kronen zum Splittern neigen. Die Hoffnung ist, dass sich die Buchennaturverjüngung an die neuen Bedingungen anpassen kann. Das Modell des Buchendauerwaldes kommt bei den nicht darauf vorbereiteten alten Bäumen im Klimawandel an seine Grenzen, fasste Revierförster Simon Fischer die Situation zusammen.
Deutlich wurde auch, dass das Eschentriebsterben selbst in den Hochlagen des Schwarzwaldes weit fortgeschritten ist. Es wird durch einen Pilz verursacht, der zuerst die Blätter und danach das Holz angreift. Die Eschen sind im großen Stil betroffen. Allerdings lässt sich das Holz bei zeitnahem Holzeinschlag  noch befriedigend verkaufen.
Auch bei den Eschen wird es spannend sein, wie die nächsten Baumgenerationen mit dem Pilz umgehen werden. Das Tragische daran ist, dass die Esche mit dem Klimawandel eigentlich gut zurechtkäme.
In einem fichtengeprägten Bestand in der Umgebung konnte die Borkenkäferproblematik gut vermittelt werden. „Mittlerweile haben wir drei bis vier Käfergenerationen pro Jahr. Die Reproduktionszahl ist unglaublich hoch.“, sagte Revierförster Fischer.
„Was mir Sorgen macht sind die vielen unterschiedlichen Probleme, mit denen der Wald aufgrund der anhaltenden Trockenheit der letzten Jahre zu kämpfen hat. Es sind nicht mehr nur die bekannten Phänomene wie Sturm-, Schneebruch und der Zusammenbruch der Fichtenbestände durch den Borkenkäfer. Hinzu kommt der massive Trockenstress von alten Laubbäumen wie Buche oder Eiche und die massiven Verluste der Eschen. Und auch in den Kommunen wird das Thema Verkehrssicherheit der gestressten Bäume immer wichtiger.“, so der Abgeordnete.
Kaum eine Branche sei so von Wetter und Klima abhängig, wie die Forst- und Landwirtschaft, so Schoch. Es werde immer deutlicher, dass durch den Klimawandel Wetterextreme in Häufig- und Heftigkeit zunehmen.  
„Seit Wochen leidet Baden-Württemberg unter großer Trockenheit, was die Wälder weiter geschädigt hat. Es ist eine Aufgabe der Gesellschaft, Landwirte und Waldbesitzer bei der Bewältigung der Klimafolgen zu unterstützen.“, so Schoch.
Beim Umbau der Wälder sei es wichtig, die Probleme der Vergangenheit im Blick zu haben und die Expertenmeinungen gerade auch im Hinblick auf neue Arten einzubeziehen.
„Jetzt muss die Wertschöpfung des regionalen Holzes erhöht und Laubholz als Bauholz wichtiger werden, die öffentliche Hand als Bauträger beispielgebend vorangehen und die Holzoffensive umsetzen. Auch die Fördermöglichkeiten durch Land und Bund müssen ständig angepasst werden, damit die Waldbesitzer Planungssicherheit haben und sich auch unsere Enkel und Urenkel noch über einen schönen und gesunden Wald freuen können. Es war daher wichtig, dass wir uns hier im Rahmen der Deutschen Waldtage getroffen haben, um über die Bedeutung unserer Wälder für den Klimaschutz, der Artenvielfalt und die Erholung zu unterhalten.“, so der Abgeordnete abschließend.

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