Exkursion zum Thema Biologische Vielfalt und Artenschutz zwischen Riegel und Köndringen

Pressemitteilung Nr. 86/2020
Emmendingen, den 13.08.2020
Trotz großer Hitze war die Fahrradexkursion, zu der Alexander Schoch MdL im Rahmen seiner Sommertour einlud, eine sehr erfolgreiche, aufschlussreiche und lehrreiche Veranstaltung. Der Abgeordnete begrüßte die Teilnehmer*innen am Bahnhof Riegel-Malterdingen und vor allem Hans Page, den Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Landkreis Emmendingen e.V. (LEV), der an diesem Tag die fachliche Leitung der Exkursion übernahm.
Für viele Landwirte ist die Landschaftspflege mittlerweile ein wichtiges Standbein, wie Page erklärte. Das zeigt den steigenden Stellenwert des Vertragsnaturschutzes, in dessen Rahmen Bewirtschaftungserschwernisse und Ertragseinbußen für eine besonders naturschonenende Landbewirtschaftung finanziell entgolten werden. Page betonte dabei, dass es sich dabei aus seiner Sicht nicht um Subventionen, sondern um ein Entgelt für erbrachte Landschaftspflegeleistungen handelt.
Im Landkreis Emmendingen ist der Flächenanteil dafür in den letzten 25 Jahren von ca. 200 Hektar auf derzeit rund 1600 Hektar angestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs das Finanzvolumen für die Landschaftspflege von ca. 200.000 € im Jahr 1992 auf ca. 1,2 Mio. € im Jahr 2010 an. Dieser Angebotsnaturschutz ist ein wichtiges Instrument um dem Verlust an biologischer Vielfalt entgegenzutreten und den Erhalt einer arten- und abwechslungsreichen Kulturlandschaft zu fördern.
Gab es 2010 noch 6 Landschaftserhaltungsverbände in Baden-Württemberg, so gibt es heute bis auf zwei Landkreise in allen Landkreisen einen Landschaftserhaltungsverband. Ziel der gemeinnützigen Vereine ist die Zusammenarbeit von Land- und Forstwirtschaft, Kommunen und dem Naturschutz. Die LEV koordinieren und vernetzen und haben das fachliche Know-how.
Im Landkreis Emmendingen klappt das seit mittlerweile über 25 Jahren hervorragend.“, so der Geschäftsführer. Der LEV Emmendingen ist der älteste in Baden-Württemberg. Jedes Bundesland hat einen eigenen Arbeitsschwerpunkt. Bei uns ist es die Umsetzung der Landschaftspflegerichtlinen (LPR).
Alexander Schoch betonte: „In den letzten Jahren hat die Politik in Baden-Württemberg viel für die LEV getan. Sei es durch Personalmittel oder Fördermittel für Projekte. Aktuell werden aufgrund des kürzlich verabschiedeten Biodiversitätsförderungsgesetzes landesweit neue Stellen geschaffen.“
Page bestätigte, dass die Fördersituation in Baden-Württemberg im Bundesvergleich herausragend sein.
Erster Stopp waren die Stöckfeldwiesen südlich des Bahnhofes zwischen Bahnlinie und Autobahn, bei denen der Gedanke der Biotopvernetzung im Mittelpunkt steht. Bei dieser unscheinbaren Glatthaferwiese handelt es sich um eine klassische Heuwiese mit zwei Schnitten pro Jahr. Die Fläche wurde bis in die 50er Jahre als Wiese bewirtschaftet und danach als Acker um nun wieder in Wiese umgewandelt zu werden. Bei einem Gang über die Wiese konnten über zwanzig verschiedene Pflanzen und viele Insekten gezählt werden.
Weiter ging es in Richtung Köndringen zur Rückverlegung des Elzdammes. Hier ist innerhalb kurzer Zeit ein wunderschönes Biotop entstanden mit Inseln und Sandbänken. Der berühmteste Einwohner ist sicherlich der Flussregenpfeifer, der mittlerweile auch brütet. In Köndringen stand die Böschungs- und Hohlwegspflege im Mittelpunkt. Die Hohlwege aus dem Sedimentgestein Löß entstanden nach der letzten Eiszeit und haben ihre Form durch die Nutzung erhalten. Page zeigte an einem Stück, was passieren kann, wenn die Wände der Hohlwege von Gebüsch und Bewuchs befreit werden. „Innerhalb kürzester Zeit haben sich Bienenfresser heimisch niedergelassen. Auch für zahlreiche wärmeliebende Wildbienenarten ist das jetzt ein richtiges Paradies.“
Bei der Böschungspflege sei es wichtig, dass die Mulcherfahrer nie alles auf einmal abmähen, sondern immer wieder größere Altgrasreste als Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen belassen. „Das kostet nach wie vor Überzeugungsarbeit, da es ja nicht sauber aussieht und die Maschinenführer sich deshalb immer wieder Kritik von der örtlichen Bevölkerung anhören müssen. Völlig zu Unrecht, da sie mit der unsauberen Arbeit zur biologischen Vielfalt beitragen!“
Zum geselligen Abschluss mit Imbiss und Getränken fand sich die Gruppe auf dem Ramstalhof in Köndringen ein. Die Radler wurden von Gerlinde Engler auf dem Betrieb willkommen geheißen. Die Englers bewirtschaften den Mischbetrieb mit Milchvieh, Acker, Grünland, mobilem Hühnerstall und Weinbau bereits in der 3. Generation. Sehr erfreulich sei, so Gerlinde Engler, dass die 4. Generation bereits in den Starlöchern stehe.
Alexander Schoch bedankte sich bei Familie Engler für die Gastfreundschaft und den hervorragenden regionalen Imbiss, bei Hans Page und den Teilnehmer*innen für eine gelungene Fahrradexkursion. „Es ist ermutigend, dass es im Landkreis so viele engagierte Landwirte und Kommunen gibt, die gemeinsam mit dem LEV diese wichtige Kulturlandschaft erhalten.“

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