Große Herausforderungen in der Landwirtschaft erfordern besonders qualifizierten Berufsnachwuchs

Pressemitteilung Nr. 14/2020
Emmendingen, den 11.03.2020
In einer der letzten Sitzungen im Ausschuss für ländlicher Raum und Verbraucherschutz wurde das Ergebnis einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Alexander Schoch zur Ausbildung in der Landwirtschaft in Baden-Württemberg diskutiert. Ein Novellierungsbedarf in der Ausbildung wird demnach auch vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz gesehen.
„Klimaschutz und die Bedrohung der Artenvielfalt sind große Aufgaben, die unsere gesamte Gesellschaft und insbesondere unsere Landwirtschaft auf vielfältige Weise in den kommenden Jahren herausfordern werden.“ Als weitere Themen sieht der Abgeordnete den Generationswechsel in der Landwirtschaft und die Digitalisierung.
Gleichzeitig hat die Landespolitik zuletzt mit dem Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ die Weichen z.B. für die Ausdehnung des ökologischen Landbaus oder der Pestizidreduktion gestellt. Die Landwirtschaft erlebe gerade sehr unruhige Zeiten! Daher sei es wichtig, die zukünftigen Landwirte erstklassig auszubilden und die Ausbildungsordnungen und Lehrpläne an die zukünftigen Anforderungen anzupassen. Diese Einschätzung wird ebenfalls vom Ministerium geteilt.
Trotz schwieriger Bedingungen, ist es sehr erfreulich, dass die Zahlen in der Ausbildung über Jahre hinweg recht stabil geblieben sind.

An den zehn Berufsschulstandorten im Land wurden 2018 mit insgesamt 766 Azubis fast so viel wie im Jahr 2009 (791) und damit deutlich mehr als 2013 (710) ausgebildet.

An den 2-jährigen Berufsfachschulen waren zuletzt 176 Schüler*innen gemeldet. Diese Zahl war, wie auch die Zahl an den beruflichen Agrargymnasien im Dreijahresvergleich leicht rückläufig. Bei den Fachschulabsolventen zeigt sich ein ähnliches Bild. An den elf Fachschulen im Land befinden sich aktuell 248 Schüler*innen. Vor zwei Jahren waren es noch 269.
Sehr erfreulich ist die Entwicklung bei den Ausbildungsbetrieben für die Landwirte. Waren es 2008 noch 1484 landesweit, konnten 2019 1788 gezählt werden. Auch die Zahl der Studierenden in der Fächergruppe „Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin“ ist in den letzten 10 Jahren sprunghaft gestiegen. Von rund 4.500 2009 auf 7.300 2019. Diese Entwicklung folgt vermutlich einem allgemeinen Trend, wonach sich immer mehr junge Menschen für ein Studium entscheiden.
Es gibt einige Beispiele dafür, wie die Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg mit Herausforderungen wie Klimawandel, Ökologisierung der Landwirtschaft und Digitalisierung umgehen. So hat die Universität Hohenheim 2018 das Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau Universität Hohenheim gegründet um den ansteigenden Öko-Sektor in Baden-Württemberg weiterzuentwickeln und das Lehr- und Forschungsprofil der Universität Hohenheim in diesem Bereich zu schärfen. Zu den Aufgaben des „Zentrums Ökologischer Landbau Universität Hohenheim“ gehört insbesondere die Koordinierung des Forschungsprogramms „Ökologischer Landbau Baden-Württemberg“.
Ein wichtiger Baustein in der Ausbildung ist das Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau in Emmendingen (KÖLBW) auf der Hochburg. 2013 eröffnete an der Hochburg die erste Fachschulklasse für Ökolandbau in Baden-Württemberg. Seither werden jährlich ca. 25 Schüler*innen ausgebildet. Neben der Aus-, Fort- und Weiterbildung spielt dort in Zusammenarbeit mit dem LTZ die praxisorientierte Forschung und die Integration im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum eine wichtige Rolle.
Um an den überbetrieblichen Ausbildungsstätten (Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW), Landesanstalt für Schweinezucht Boxberg (LSZ) und DEULA Kirchheim, die aktuellen Themen aufzugreifen, müssen diese über eine entsprechende zeitgemäße Ausstattung, aktuelle Programme, Materialien und Ressourcen verfügen.
Im Rahmen der Digitalisierungsoffensive unterstützt das MLR die Einrichtung einer zentralen Lernwerkstatt 4.0 für Landwirtschaft und Gartenbau an der DEULA Kirchheim.
Damit die Ausbildung in der Landwirtschaft den aktuellen Begebenheiten nicht hinterherhinkt, sind große Anstrengungen notwendig. So steht aktuell die längst überfällige Novellierung der Verordnung der Berufsausbildung an. Noch in diesem Jahr soll das Ergebnis einer Studie zur Festlegung der notwendigen Änderungen vorliegen.
Wege und Maßnahmen, wie die Inhalte des Ökolandbaus künftig in die Ausbildung integriert werden können, werden derzeit auch im Rahmen der Umsetzung des Eckpunktepapiers zum Schutz der Insekten in Baden-Württemberg konzipiert und konkretisiert. Im Zusammenhang mit dem Bundesprojekt „Status-quo-Analyse ökologischer Landbau in der beruflichen Bildung“ haben in verschiedenen Bundesländern Dialogforen stattgefunden.
Das MLR sieht auch die Notwendigkeit den Berufsnachwuchs an die aktuellen Fragestellungen heranzuführen. Auch im Bildungsausschuss wird aktuell über die Notwendigkeit diskutiert, zusätzliche Ausbildungsangebote anzubieten, wie z. B. Digitalisierung, Tierwohl oder Fragen des ökologischen Landbaus. Auch bei den überbetrieblichen Weiterbildungen werden die entsprechenden Themen aufgegriffen.
Die Ausbildungsberater*innen an den unteren Landwirtschaftsbehörden organisieren für die Auszubildenden im Beruf Landwirt*in drei Ausbildungstreffen pro Jahr.
Die landwirtschaftlichen Landesanstalten und die Ämter für Landwirtschaft leisten ebenfalls ihren Teil, wenn es darum geht, die Ausbilder/-innen in der Landwirtschaft auf dem aktuellen Kenntnisstand zu bringen.
„Alles in allem steht die Ausbildung in der Landwirtschaft auf gesunden Füßen. Es ist erfreulich, dass es nach wie vor genügend Berufsnachwuchs gibt, der diesen anspruchsvollen und abwechslungsreichen Beruf ergreifen möchte. Trotzdem müssen wir unseren Teil dazu beitragen, dass das auch in Zukunft so bleibt.“, befindet Alexander Schoch.
Der Abgeordnete erinnerte in diesem Zusammenhang noch an den angestrebten Gesellschaftsvertrag der Landesregierung. „ Wir wollen einen regelmäßigen Austausch der Spitzenvertretungen aus Bauernverbänden und den anerkannten Naturschutzverbänden unter Teilnahme der Ministerien der Landwirtschaft und des Naturschutzes etablieren.“
Alexander Schoch betonte auch, dass die Biomusterregion Freiburg für die Landwirtschaft in der Region und damit für die Zukunftsperspektiven der Landwirte eine große Chance sein kann.

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