Cem Özdemir vor der voll besetzten Steinhalle Foto: Rüdiger Tonojan

10. Politischer Aschermittwoch der Grünen in Emmendingen

Eine Woche nach dem Mordanschlag in Hanau war der gemeinsame Einsatz gegen Rassismus und für Demokratie das zentrale Thema des Abends. Alexander Schoch: „Zeigen wir Haltung nach den Anschlägen von Halle und Hanau und den Nazischmierereien in der letzten Woche an der Moschee hier in Emmendingen.“ Zu Gast in der voll besetzten Steinhalle waren Jamila Schäfer und Cem Özdemir.

Rüdiger Tonojan (Kreisvorstand)

Markus Rasp vom Kreisvorstand Emmendingen führte als Moderator durch den Abend. Er freute sich über das große Interesse am Politischen Aschermittwoch- der Andrang war so groß, dass noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten- und begrüßte die Gäste.

Thomas Reichenbach und Luca Sophia Kahl (Sprecher*in Grüne Jugend) Foto: Tonojan

Rüdiger Tonojan, der seit dem vergangengen Herbst ebenfalls zum Kreisvorstand gehört, berichtete von der Neugründung der Grünen Jugend Emmendingen und bot Luca Sophia Kahl und Thomas Reichenbach (beide Sprecher*in der GJ Emmendingen) die Gelegenheit sich vorzustellen und über ihre Gründung und Pläne zu berichten.

Markus Rasp erinnerte an die Opfer des rechtsextremen Anschlags in Hanau und berichtete von den Schmierereien an der Moschee und weiteren Gebäuden in Emmendingen und Umgebung, die zu großem Entsetzen in der Region geführt hatten. Die vielen Teilnehmer der Mahnwache am Vortag zeigten aber den großen Zusammenhalt in Emmendingen, den es zu erhalten gelte. Oberbürgermeister Stefan Schlatterer griff dieses Thema in seinem Grußwort ebenfalls auf und verurteilte diese Taten scharf. Er hatte am Vortag zu der Mahnwache aufgerufen und stellte klar, dass Rassisten in Emmendingen keinen Platz haben.

Alexander Schoch MdL

Alexander Schoch zog als Wahlkreisabgeordneter im Landtag in seiner Rede eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. Nach guten Ergebnissen bei den Kommunal- und Europawahlen wolle man grüne Politik weiter mit voller Kraft voran bringen. Die Abschaltung des ersten Reaktors des AKW Fessenheim sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Ende der Atomkraft und ein Erfolg des grenzüberschreitenden Widerstands, den man nun ganz auf die Schließung der AKW in Beznau und Leibstadt in der Schweiz richten wolle. Ähnliche Erfolge wünscht sich Schoch auch für den Kampf gegen den Klimawandel jedoch findet er: „Mit ihren völlig ungenügenden Vorschlägen zum Klimaschutz verspielt jedoch die Große Koalition eine historische Chance und ist an der Menschheitsherausforderung Klimaschutz krachend gescheitert. Faktisch sind wir aus dem Klimaschutzabkommen von Paris ausgestiegen.“ Der große Einsatz von Fridays for Future habe jedoch viel in den Köpfen bewegt: der Kampf gegen die Klimakreise werde von immer mehr Menschen aufgenommen.

Ausgehend von der gescheierten Regierungsbildung in Thüringen und der Rolle, die CDU und FDP darin gespielt haben, erinnerte er daran, wohin es führt, wenn Rechtspopulisten politische Entscheidungen treffen oder beeinflussen. Das müsse uns aufmerksam machen: Nichts sei selbstverständlich, mahnte Schoch. Wem unsere demokratische Werteordnung erhaltenswert erscheine, der müsse dafür kämpfen.

Jamila Schäfer
Foto: Tonojan

„Es wird Zeit, dass Rechtsterrorismus als das gesehen wird, was es ist: eine existentielle Bedrohung für unsere Demokratie und unsere Freiheit!“ forderte schließlich Jamila Schäfer, Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Es mache sie nachdenklich, dass sich das Weltbild des Täters von Hanau immer mehr verbreite. Denn: „Angriffen auf Menschlichkeit folgen Angriffe auf Menschen. Bagatellisierung von Rechtsterrorismus muss aufhören!“, so Schäfer. Dazu seien alle demokratischen Parteien gefordert. Sie hielt in Emmendingen ihre erste Aschermittwochsrede. Häufiger Zwischenapplaus und viel Zustimmung zeigten: die Premiere ist geglückt.

Cem Özdemir
Foto: Tonojan

Auch Cem Özdemir begeisterte den voll besetzten Saal. In seiner mal nachdenklichen, mal wütenden, aber auch lustigen Rede ging es vor allem um Zusammenhalt der Demokraten und Menschlichkeit: „Rechtsradikale wollen uns spalten. Wir lassen und nicht spalten. Wir stehen zusammen.“ Er wünsche sich, dass das Jahr 2020 als das Jahr in die Geschichte eingeht, in dem wir sagen, wir haben den Schalter umgelegt!“ Er fordert eine klare Haltung von allen Demokraten.

Nach diesen ernsten Anmerkungen braachte Özdemir auch leichtere Themen wie die Lokalrivalität zwischen Badenern und Schwaben, Fußball und Spitzen gegen die politischen Mitbewerber zur Sprache – und damit das Publikum zum Lachen. Als Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag nahm er besonders CSU-Verkehrsminister aufs Korn: „Wer kennt sie nicht, die Feinde der Deutschen Bahn: Frühling, Sommer, Herbst und Winter! Und dazu der CSU-Verkehrsminister!“

Malgorzata Hoffmann (Kreisgeschäftsführerin Grüne Emmendingen), Rüdiger Tonojan (Kreisvorstand Grüne Emmendingen), Susanne Wienecke (grüne Gemeinderätin und Oberbürgermeisterkandidatin Emmendingen), Hanna Heicke (Kreisvorstand Grüne Emmendingen), Cem Özdemir MdB, Markus Rasp (Kreisvorstand Grüne Emmendingen), Alexander Schoch MdL, Jamila Schäfer (Bundesvorstand Grüne) und Lorena Prado (Kreisvorstand Grüne Emmendingen)

Großem Applaus folgte ein Strom von Selfie-Jägern, für den Cem Özdemir und Jamila Schäfer geduldig bereit standen.

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