Manne Lucha (links) mit Małgorzata Hoffmann (Kreisgeschäftsführerin Grüne Emmendingen), Hanna Heicke, Lorena Prado Parra, Markus Rasp und Rüdiger Tonojan (alle Kreisvorstand) und Alexander Schoch MdL beim Neujahrsempfang 2020 Foto: Anna-Marie Tonojan

„Wir wollen das Wichtige erhalten und das Notwendige verändern!“

Sozialminister Manne Lucha beim gemeinsamen Neujahrsempfang mit dem Grünen-Kreisverband Emmendingen

Viele Gäste kamen am vergangenen Samstag auf Einladung des Grünen-Kreisverbands Emmendingen und des Wahlkreisabgeordneten Alexander Schoch zum Neujahrsempfang im Alten Rathaus in Emmendingen. Darüber freute sich auch Kreisvorstand Rüdiger Tonojan, der die Anwesenden begrüßte. Nach einem Rückblick ins vergangenen Jahr – hier nannte er vor allem den großen Kommunalwahlerfolg der Grünen 2019 –  wies er auf die bevorstehende Neugründung der Grünen Jugend Emmendingen hin. Beides würde den Kreisgrünen im neuen Jahr Motivation und Ansporn sein, so Tonojan. Außerdem erinnerte er an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder: Otto Bury, der als Gründungsmitglied und späterer Kreisrat prägend für den Kreisverband war und Stefan Bilharz, Gemeinderat in Herbolzheim und Kreisrat, der nach kurzer Krankheit viel zu früh gestorben ist.

Den musikalischen Rahmen boten in diesem Jahr Frank Goos und die Furchtlosen 7 ½. Die seit vielen Jahren bestehende inklusive Band der Musikschule Freiburg hatte Titel von den Beatles und Rolling Stones, zum Teil mit deutschem Text, einstudiert und bot sie mit ansteckender Freude und viel Engagement dar.

Oberbürgermeister Stefan Schlatterer nannte in seinem Grußwort den Klimaschutz „nicht nur weil ich heute bei den Grünen bin!“ als wichtiges Thema der Kommunalpolitik im kommenden Jahr. Mit  dem Projekt ‚Emmendingen 2035‘, wofür die Stadt ausgezeichnet wurde, habe man sich auf einen guten Weg gemacht, den man weitergehen werde. Er bedauerte, dass der neue ÖPNV-Fahrplan keine so gute Stadtbusverbindung wie bisher ermöglichen wird.

Den ÖPNV nannte auch Hinrich Ohlenroth, der als Erster Landesbeamter Landrat Hanno Hurth vertrat, als wichtige Klimaschutzmaßnahme. Er hofft, dass die missglückte Einführung der Kaiserstuhlbahn nach einer Übergangszeit noch auf den ursprünglichen geplanten Fahrplan gebracht werden kann. Spürbar werde der Klimawandel auch im Landkreis Emmendingen immer mehr, berichtete Ohlenroth: die trockenen Sommer der vergangenen Jahre bereiteten Land- und Waldwirtschaft Probleme, für die Lösungen gefunden werden müssten. Positiv hob er Umbau und Betrieb des Kreiskrankenhauses in Emmendingen hervor und bedankte sich für die Unterstützung des Landes.

Alexander Schoch wies in seiner Rede auf die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 hin, die sich 2020 zum 75. Mal jährt. „Aus der Vergangenheit lernen, heißt Mut und Haltung zu entwickeln und zu zeigen, um unsere Freiheit, unsere Menschlichkeit und Demokratie mit aller Entschiedenheit zur verteidigen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Engagieren wir uns dafür!“, forderte der Abgeordnete.

Für die kommenden Jahre sieht er den Kampf gegen die Klimakrise als grundlegend. Dazu sei, neben wirksamen Maßnahmen gegen den CO2 Ausstoß, auch internationale Zusammenarbeit nötig, die es ermögliche, sich zu verständigen und die gemeinsame Verantwortung anzunehmen und zu tragen. „Ich sehe rund um die Welt viele mutige, selbstbewusste Menschen, die Würde, Respekt und Chancen für eine menschenwürdige Zukunft einfordern, die diese Zukunft selbst mitgestalten wollen und das macht mir Hoffnung dass wir den Klimakrise bewältigen können.“, sagte Schoch. Dazu gehören auch die vielen neuen, engagierten Kommunalpolitiker*innen im Landkreis Emmendingen, denen der Abgeordnete viel Erfolg und Kraft zur Umsetzung grüner Politik wünschte. In eigener Sache kündigte Alexander Schoch an, sich bei den 2021 anstehenden Landtagswahlen erneut für ein Mandat bewerben zu wollen, was mit viel Applaus aufgenommen wurde.

Der als Festredner aus Ravensburg angereiste Minister für Soziales und Integration, Manne Lucha MdL, nahm zunächst scherzhaft die Beziehung zwischen den beiden Landesteilen „dieses Bindestrichbundeslandes“ aufs Korn. Als Immigrant aus Bayern habe er sich zwar in Schwaben niedergelassen, dank seiner aus dem badischen Salem stammenden Frau kenne und schätze er aber auch die Vorzüge der Badener. Er zeigte sich beeindruckt und berührt von den Furchtlosen 7 ½, die beispielhaft deutlich machten, wie unsere Gesellschaft für alle sein solle: „Ein Miteinander, das nie ausgrenzt und in das sich jeder mit seinen Fähigkeiten einbringen kann.“

Nach 75 Jahren Frieden müssten wir uns weiter für dafür und für das Projekt Europa einsetzen, forderte der Minister. Wie wichtig dieser Einsatz sei, zeige die „rechtsradikale Truppe, die wir im Landtag und in anderen deutschen Parlamenten haben.“ Die Suche nach einem Sündenbock habe politisch immer zur Katastrophe geführt.

„Wir haben die Aufgabe, Zukunft zu gestalten.“

Dies gelte sowohl für die gesellschaftliche Akzeptanz für alle, als auch für die Erhaltung unseres demokratischen, sozialstaatlichen, sorgenden Modells der Balance, das Lucha als Gegensatz sowohl zum chinesischen als auch zum US-amerikanischen Modell darstellte. Für den Kampf gegen den Klimawandel wies der Sozialminister auf die Bedeutung der sozialen Dimension hin, die man bei der Umsetzung des Klimaschutzes nicht aus dem Blick verlieren dürfe. „Ökonomie und Ökologie sind keine Gegensätze! Wir müssen den Nachweis erbringen, dass ökologische Nachhaltigkeit alle mitnehmen kann.“, führte er weiter aus. Wie in vielen anderen Bereichen müssen Land und Kommunen hier gemeinsame Strategien entwickeln und gestalten. Ebenso wie Schoch hob er die Bedeutung von engagierten Kommunalpolitiker*innen hervor, die mit ihrem Einsatz hart in der Sache, aber fair im Umgang für die Belange ihrer Wähler*innen kämpfen.

Nach weiteren Musikstücken der Furchtlosen 7 ½ bestand die Möglichkeit auf das neue Jahr anzustoßen und ins Gespräch zu kommen, was viele Besucher nutzen.

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