Nachruf auf Stefan Bilharz

Stefan Bilharz
01.03.1960 –  25.11.2019

Mein Freund und langer politischer Weggefährte Stefan Bilharz ist nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Meine Gedanken sind bei seiner Familie der ich in dieser schweren Zeit viel Kraft wünsche. Der frühe Tod von Stefan hat mich tief getroffen und sehr traurig gemacht. Ich habe Stefan als Menschen, als Freund und Kollegen sehr geschätzt. Wir verlieren mit Stefan einen Menschen, Freund und Menschenfreund, einen guten, klugen, engagierten, nachdenklichen Menschen, unseren politischen Weggefährten und jahrzehntelangen Fraktionsvorsitzenden.
Der Kampf gegen Atomkraftwerke und gegen das AKW Wyhl hat ihn zu den Grünen geführt!
Man könnte sagen, Stefan war ein „bürgerlicher Radikaler“. Denn er war zutiefst verwurzelt im Gemeinwesen und manchmal verzweifelt über den Zustand der Welt. Flächenverbrauch, Artensterben und die zerstörerischen Auswirkungen unbegrenzten Wachstums in Kenzingen, dem Landkreis und der Heimat waren seine großen Themen, in welche die vielen lösbaren kleinen und großen örtlichen Probleme einflossen.
Danke Stefan
Dass Du da warst, für die gute Zusammenarbeit und dass Du uns so viel gegeben hast.
Wir sind gemeinsam durch alle politischen Höhen und Tiefen gegangen.
7 Kommunalwahlkämpfe haben wir bestritten, Du warst Stimmenkönig in Deiner Heimatgemeinde Kenzingen und auch in Deinem Wahlkreis bei den Kreistagswahlen. Du warst Gründungsmitglied der grünnahen ABL in Kenzingen, hast dort seit 1984 die Gemeindepolitik und ab 1989 die Kreispolitik bis zum Juli 2019 mitgeprägt.
Wir haben gemeinsam viel bewegt!
Danke Stefan
Mit deiner verbindenden Art hast Du es geschafft, die Fraktion gut zu führen. Abweichende Meinungen konntest Du stehen lassen, so dass diese auch ihren Platz in unserer Fraktion hatten. Das gemeinsame Ziel hast du dabei nicht aus den Augen verloren.
Berühmt waren Deine Haushaltsreden, sei es in Kenzingen oder im Kreistag! Interessanterweise, wenn man das im Nachhinein betrachtet, muss es etwas auf sich haben, dass die Haushaltsreden immer in Kenzingen stattfanden.
Es könnte sein, dass die Erklärung das Essen nach der Weihnachtsfeier war und die Bedeutung einer Nudelsuppe oder Flädlesuppe wohl im Kontext der Haushaltsberatung gesehen werden musste. Wir klären das noch!
Aber so hatten wir zumindest beim gemeinsamen Weihnachtsessen noch die Möglichkeit über Deine Vergleiche oder Zitate zu diskutieren.
So hast Du 2018 in Deiner Haushaltsrede den Geldspeicher gesucht und einen Bogen von Emmendingen bis zum Entenhausen des Dagobert Duck gespannt und du befandest vor dem Hintergrund der Schulden des Landkreises und der Frage der Prioritätensetzung: „Befinden wir uns plötzlich in der glücklichen Schwerelosigkeit eines Geldspeichers in Entenhausen?“
So erinnere ich mich gern an ein Zitat, das ebenfalls mit der Frage des Kreishaushaltes und den Spekulationen der Fraktionen über den zukünftigen Haushalt zusammen hing:
„Aber Kolumbus irrte sich und entdeckte dafür Amerika. Wir haben heute die Wirtschaftsweisen, den Ifo-Geschäftsklimaindex, den Gemeinde- und den Städtetag, die alle sagen, wie es heute ist, morgen sein wird und warum es gestern nicht so war. Ich sage mit Kästner:
„Irrtümer haben ihren Wert,
jedoch nur hie und da.
Nicht jeder, der nach Indien fährt,
entdeckt Amerika.“
Ja, Deine klugen Haushaltsreden, gespickt mit Zitaten, waren Perlen der Arbeit im Kreistag.
Danke Stefan
Für 3 intensive Landtagswahlkämpfe, die uns beide zusammengeschweißt haben. Hierzu gehören natürlich auch schöne Erinnerungen, so als wir in Biederbach, einer sehr schwarz geprägte Gemeinde, und in Freiamt, einen Wahlkampftermin hatten und außer uns beiden hatten sich keine Gäste eingefunden um unsere tollen politischen Ideen zu hören. In dieser Zeit standen auch eher noch die einstelligen Wahlergebnisse im Vordergrund. Stefan sagte, naja das hat ein Gutes – wir können hier auch nochmal einen Wurstsalat essen. Ehrlich, ich glaube wir hatten beide in so kurzer Zeit noch nie so viel Wurstsalat gegessen oder probiert wie in jenem Wahlkampf.
Stefan hatte daraufhin die Idee, wir schreiben nach dem Wahlkampf einen Wurstsalatführer, dieses Projekt ist leider noch offen.
Interessant in diesem Zusammenhang war auch, als Du von der Presse gegen Ende des Wahlkampfes zu Persönlichem befragt wurdest und die Frage nach deinem Lieblingsessen gestellt wurde. Deine Antwort war: Wurstsalat und Bier. Dies wurde bei späteren Veranstaltungen dann immer wieder zu einem „Running Gag“!
Du hast auf eine biographische Frage eines Journalisten – nach dem Ereignis was Dich zum politisch aktiven Menschen gemacht hat, und der Journalist wahrscheinlich mit einer größeren Lebensgeschichte gerechnet hat, mit: „Meine Geburt…..“ geantwortet!
Oder auf die Frage „wie würdest Du Dich selbst bezeichnen“, sagtest Du:
„Homo sum…. Das wars erstmal was Du gesagt hast, es verging einige Zeit ….
Der Journalist schaute Dich fragend an … dann Du, Stefan:– Ich bin ein Mensch – nichts Menschliches ist mir fremd!“
Und dann fügte Stefan noch das gesamte Zitat auf Lateinisch an: Homo sum humani nihil a me alienum puto. (v.Publius Terentius Afer, römischer Dichter )
Ja, Stefan liebte die klaren Worte, er hatte viel Humor, feste Prinzipien und eine starke Haltung, die ihn auszeichnete.
Sein Lebensmotto lautete nach Imanuel Kant: „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“
Mit Stefan verlieren wir nicht nur einen der engagiertesten Verfechter einer freiheitlich demokratischen und ökologischen Werteordnung sondern auch einen Kämpfer für Meinungsfreiheit und für die kommunale Selbstverwaltung.
Für Dich war das Artensterben kein Phantasieprodukt überängstlicher Ökologen sondern Realität – die Frage bleibt, so Stefan: „Ab welcher Art wird es für homo sapiens – sapiens kritisch?“
Der Klimaschutz war für Dich ein großes Thema.
Heute gehen wieder weltweit Menschen auf die Straßen und demonstrieren für mehr Klimaschutz – Dein Engagement ist für uns nun Aufgabe auch im Sinne von weiter für mehr Klimaschutz zu kämpfen!
Wir verlieren einen engagierten und kompetenten Kommunalpolitiker ein Menschenfreund und großen Freund.
Danke, dass Du da warst und wir mit Dir viel Spaß und schöne Stunden erleben durften.
Du wirst uns fehlen!

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