Vertreter von emma, AGJ mit Josha Frey und Alexander Schoch

Sucht geht jeden etwas an.

Pressemitteilung Nr. 91/2019
Emmendingen, den 18.09.2019

Alexander Schoch MdL mit dem suchtpolitischen Sprecher der grünen Landtagsfraktion Josha Frey MdL zu Besuch bei emma, der Jugend- und Drogenberatung für den Landkreis Emmendingen
An der Gesprächsrunde nahmen für emma neben Einrichtungsleiter Marco Chiriatti auch Martin Fischer, Elena Weber und Praktikantin Paula Viehweg teil. Der AGJ-Fachverband, der die Trägerschaft von emma hat, war mit Vorständin Anne Hummel und dem Referatsleiter Sucht Hans Joachim Abstein vertreten.
Seit vielen Jahren informieren und beraten die Expertinnen und Experten von emma zu Fragen rund um das Thema Drogen. Marco Chiriatti leitet das Team seit sieben Jahren. „Die Gespräche können sowohl telefonisch, online sowie persönlich vor Ort in Emmendingen oder in der Außenstelle in Waldkirch geführt werden.“, berichtetet er. Die Beratungsstelle, die für den gesamten Landkreis Emmendingen zuständig ist, kümmert sich um Menschen die illegale Drogen konsumieren sowie Menschen unter 21 Jahren, die legale Suchtmittel konsumieren oder davon abhängig sind beziehungsweise die Fragen zum Thema Internet, PC Missbrauch und (Automaten-)glücksspiel haben. Auch Bezugspersonen, wie Angehörige, FreundInnen, ArbeitskollegInnen und Interessierte, die beruflich oder privat Fragen zu Drogen, Konsum und Abhängigkeit haben, können sich an emma wenden.
Chiriatti ist besonders besorgt über die Zunahme von Problemen mit Cannabis und damit einhergehendem Mischkonsum. „Cannabis ist zahlenmäßig das Hauptproblem der Menschen, die zu uns kommen. Die erhöhte Potenz als Ergebnis einer intensiven Züchtung, der zunehmende Mischkonsum und die Zunahme von Psychosen bei unseren Klientinnen bereiten uns hier große Sorgen.“
Der Suchtexperte der grünen Landtagsfraktion, Josha Frey, sagte dazu: „Unser Ziel muss es bleiben, auf Bundesebene ein Cannabis-Kontrollgesetz auf die Beine zu stellen, um eine Regulierung von Höchstmenge und Potenz zu realisieren. Auch die Erhöhung des Mindestalters auf 21 Jahre kann bei einer Liberalisierung mit strengen Leitplanken ein Baustein sein.“
Frey berichtete außerdem über die schwierige Situation der Substitutionspraxen. Gerade auf dem Land gebe es sehr wenige Ärzte, die bereit sind, Methadon abzugeben. Das bedeutet für die Patienten oft lange Wege in die größeren Städte mit besserer Versorgung. Auch im Landkreis Emmendingen gibt es nur einen entsprechenden Arzt. Um das Thema aktiv anzugehen, veranstaltet das Sozialministerium  am 18.11. ein Fachgespräch in Stuttgart. „Ich freue mich auf einen guten Dialog und hoffe, wir kommen hier einen entscheidenden Schritt weiter.“
Die Vertreter des AGJ-Fachverbandes, die im Landkreis Emmendingen auch die Wohnungslosenhilfe „Haus Eliah“ und die Alkohol-Therapie Klinik St. Landelin in Herbolzheim-Broggingen tragen, berichteten über die finanziellen Verhandlungen mit dem Landkreis und den daraus resultierenden Ergebnissen. So gebe es seit Jahren eine gedeckelte Erhöhung von jährlich 2%, die komplett alle zusätzlichen Kostenerhöhungen abfedern soll.
Die Kirchensteuermittel, die der AGJ erhält und einsetzt, werden zum einen in Zukunft weniger und sollen zum anderen nicht für regelhaft zu finanzierende Arbeitsbereiche eingesetzt werden, sondern vielmehr im Sinne der Caritas genutzt werden. Die reguläre Beratungsstellenarbeit und die mannigfaltigen Präventionstätigkeiten müssen in Zukunft finanziell besser ausgestattet werden, wenn die flächendeckende Arbeit auf diesem hohen Niveau weiter stattfinden soll.
„Die Planungssicherheit für die Jugend-und Drogenberatung muss gewährleitet sein und die Mittel müssen an alle Anbieter fair verteilt werden.“, sagte Alexander Schoch und schlug den Vertretern der emma vor, einen Antrag an den Kreistag zu stellen um ihre Arbeit dort vorzustellen und die finanziellen Engpässen berichten zu können.
Der Abgeordnete sagte Unterstützung zu, bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten für die Außenstelle Waldkirch, da die bestehenden zum kommenden Mai gekündigt wurden.
Beide Landespolitiker bedankten sich für die hervorragende Arbeit der emma, gerade auch unter den angespannten finanziellen Bedingungen. „Unsere Versorgungslandschaft basiert auf einem dezentralen Ansatz. Wir als Politiker müssen uns dafür einsetzen, dass die Angebote zu den Menschen kommen, gerade in den ländlichen Räumen. Ist dies unabdingbar.“

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