Alexander Schoch beim Waldspaziergang in Simonswald

Pressemitteilung Nr. 80/2019
Emmendingen, den 15.08.2019


Gemeinsam mit Revierförster Bernhard Baumann, Waldbesitzer Thomas Weis als Vertretung der Forstbetriebsgemeinschaft sowie der Waldgenossenschaft Schwarzwald-Breisgau und Michael Dalhoff vom Forstamt machte er sich in Obersimonswald ein Bild von der aktuellen Situation.

In seiner Begrüßung dankte Alexander Schoch, für die Möglichkeit der Waldbegehung, um die Schadenssituation zu besichtigen und die damit zusammenhängenden Probleme zu besprechen. Durch den Klimawandel und seine Folgen befinden sich auch die Wälder im Landkreis in einem alarmierenden Zustand. Die massenhafte Vermehrung von Forstschädlingen ist ungebrochen. Entgegen bisherigen Erkenntnissen sind neben Fichten (Borkenkäfer) auch die bisher als klimastabilere Baumarten geltenden Tannen und sogar Buchen betroffen. Vor allem borkenkäfergeschädigte Bäume müssen möglichst schnell aus den Wäldern entfernt werden. Riesige Schadholzmengen führen aber europaweit zu Preisverfall auf dem Holzmarkt. Das verschärft die Situation, da der Abtransport kostspielig ist und eine lukrative Verwertung fehlt. Langfristig ist die Stabilität der Wälder gefährdet, die die wichtigsten klimarelevanten Kohlenstoffsenken sind.

Bernhard Baumann erläuterte, dass 82% der Fläche der Gemeinde Simonswald bewaldet sind. Von den 6100 Hektar sind über 4000 Hektar Privatwald, in Staatsbesitz sind 1740.  290 Hektar gehören der Gemeinde. Betreut wird die Gesamtfläche vom Landratsamt Emmendingen in drei kompletten Forstrevieren und zwei weiteren Teilrevieren. Sturmwurf im Januar 2018 und extreme Trockenheit im darauffolgenden Sommer, sowie weiterer Schneebruch im Winter 2018 / 2019 und die extreme Trockenheit in diesem Frühjahr und Sommer, bieten optimale Voraussetzung für den Borkenkäfer. Obwohl viele Bäume noch grüne Kronen haben und das Ausmaß auf den ersten Blick oft nicht zu erkennen ist, ist die Situation sehr ernst. Sogenannte „Käfernester“ sind eine Ansammlung von bereits befallenen Bäumen und können eine Größe von drei oder über hundert Bäumen haben. Neben Buchdrucker und Kupferstecher in der Fichte gibt es auch vermehrt Probleme mit verschiedenen Tannenborkenkäfern.

Die Waldbesitzer wehren sich nach Kräften. Viele Waldbesitzer bewirtschaften ihren Wald aber im Nebenerwerb und so fehlt es zum Teil an der notwendigen Ausrüstung das Käferholz aus dem Wald zu bekommen. „Wir helfen wo wir können. Der Austausch mit den Waldbesitzern ist sehr gut.“, sagt der Revierförster. „Die Forstunternehmer sind sehr gut ausgerüstet, engagiert und schlagkräftig, sie sind aber alle an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Wartezeiten sind die Folge.“

Die Kooperation mit den Sägewerken ist gut, die Preise für frisches Holz sind angesichts des Überangebotes an Holz noch vertretbar. Allerdings kann sich die Situation täglich ändern. Da das Holz länger im Wald gelagert werden muss, kommt es zu Verfärbungen und damit zu starken Preiseinbrüchen. Auch die Sägewerke sind an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen und haben Schwierigkeiten auf ihren Absatzmärkten. Daher werden mittlerweile bedeutende Anteile des Käferholzes z.B. nach China exportiert. Lange Wartzeiten bis zur Holzabfuhr sind vorprogrammiert, Randsortimente bleiben daher öfter liegen. Bei Holz für Hackschnitzel bzw. bei fertigen Hackschnitzeln kommt hinzu, dass nicht genügend Lagerplätze in ausreichender Größe zur Verfügung stehen. Wenn das Käferholz im Wald verbleibt, muss es rechtzeitig komplett entrindet oder chemisch behandelt werden, sonst entwickelt sich die nächste Käfergeneration.

Der Klimawandel schreitet zunehmend fort. Daher sind Anpassungsstrategien sehr wichtig. So wird der Fichtenanteil klimabedingt zunehmend zurückgehen. Die im Gemeindewald langfristig angestrebte Reduktion des Fichtenanteils von 46 % auf 36% ist wohl schon fast erreicht. In 50 Jahren wird der Fichtenanteil mit Sicherheit noch wesentlich kleiner sein. Doch welche Baumarten sind auf Dauer geeignet um die Fichten zu ersetzen? Die extreme Trockenheit hätte zuletzt auch bei vielen einheimischen Baumarten wie Buche, Bergahorn, Eiche, Kiefer, Lärche und Tanne zu Beeinträchtigungen geführt. Selbst die Douglasie werde von Borkenkäfern befallen, so Baumann. Douglasien und Roteichen sind wirtschaftlich interessante Baumarten, von Naturschützern aber kritisch gesehen. Diskutiert werden auch Esskastanie. Tulpenbaum, Baumhasel, Hickorynuss, Platane, Libanon- und Atlaszeder, Zerreiche, Robinie und andere.

Ziel müsse ein artenreicher Wald mit hoher Biodiversität sein. Allerdings sei die Vermarktung von Klein- und Randsortimenten schon jetzt eine große Herausforderung und wird bei zunehmender Baumartenvielfalt noch schwieriger werden. Erschwert wird dies zudem durch die Privatisierung des Holzverkaufes und der Umstrukturierung der Forstverwaltung, sagte Michael Dalhoff. Durch die Umstrukturierung der Forstverwaltung befürchten Waldbesitzer, dass die aufgrund der aktuellen kritischen Situation des Waldes notwendigen Beratungskapazitäten in Zukunft fehlen werden. Auch sein die aktuell nötigen Arbeiten von der stark reduzierten Zahl der Waldarbeiter nicht erfüllbar. Hier wünscht man sich, dass das Land den Kreisen weiteres Personal zur Verfügung stellt. Die derzeitige Situation sei zu Beginn der Verhandlungen der Landkreise mit dem Land nicht vorhersehbar gewesen, so die Vertreter der Forstverwaltung. „Unser zentrales Anliegen ist die konsequente Fortführung und Beschleunigung des Waldumbaus hin zu klimatoleranteren Mischwäldern. Dabei muss die Multifunktionalität der Wälder erhalten bleiben. Im Fokus steht die Entwicklung stabiler Waldökosysteme, die im Vergleich zu Monokulturen toleranter gegenüber Extremwetterlagen und Schädlingsbefall sind.“, so Alexander Schoch.

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