Hofgespräch zur Biomusterregion auf dem Wöpplinsberg

Alexander Schoch lud zum 9. Hofgespräch zur Biomusterregion auf den Wöpplinsberg

Pressemitteilung Nr. 75/2019
Emmendingen, den 05.08.2019

Das Hauptaugenmerk der öffentlichen Veranstaltung, die auf dem Hofgut Wöpplinsberg in Emmendingen stattfand, lag auf der Biomusterregion (BMR) Landkreis Emmendingen, Landkreis Breisgau Hochschwarzwald und Stadtkreis Freiburg. Die Biomusterregionen wurden landesweit ausgeschrieben und im Februar hat die hiesige Bewerbung Erfolg und den Zuschlag erhalten. Alexander Schoch begrüßte die zahlreichen Gäste darunter den Präsidenten des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) Werner Räpple, Martina Braun MdL, Christian Eichert als Vertreter der Bioverbände, Thomas Dresel vom Umweltschutzamt Freiburg und Marijke Böhmer vom Landwirtschaftsamt Emmendingen, die sich als Referenten und Diskussionsteilnehmer den Fragen der vielen interessierten Bürger stellten.
Oberbürgermeister Stefan Schlatterer brachte seine Freude zum Ausdruck, dass die Region den Zuschlag für die Biomusterregion erhalten hat, was eine große Chance für die Region ist. Das Hofgut Wöpplinsberg, so Schlatterer, sei ein gelungenes Vorbild für die Hofnachfolge. Er berichtete von den erfolgreichen Anstrengungen der Stadt bei der energetischen Modernisierung von Bestandsgebäuden. Ziel sei es, bis 2050 zur energieneutralen Kommune zu werden.
Als Vorbild der mittlerweile 9 Biomusterregionen in Baden-Württemberg dienen Hessen und Bayern mit ihren Modellregionen, berichtete Alexander Schoch. Die grüne Landtagsfraktion hat die Biomusterregionen mit Erfolg in den Koalitionsvertrag eingebracht. Die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln übersteige das Angebot inzwischen deutlich. Der ökologische Landbau solle weiter vorangebracht werden, um die mit damit verbundenen Wertschöpfungspotenziale gerade in der Region nachhaltig zu nutzen. Die Akteure des Öko-Sektors können so Vor-Ort Maßnahmen für mehr Öko-Landbau in Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung entwickeln. Vorhandene Strukturen sollen genutzt und neue geschaffen werden. Ein Regionalmanagement für die Biomusterregion werde auf der Hochburg eingerichtet. Die Personalkosten für drei Jahre übernehme das Land zu 75 %. Die Projektkosten müssen allerdings von den Kreisen geschultert werden. Auf der Hochburg gebe es bereits das Landwirtschaftliche Bildungszentrum und Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau (KÖLBW), den Demeter-Betrieb Domäne Hochburg, den Schulbauernhof und die Außenstelle des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ). Dies seien gute Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Aufbau der Biomusterregion, so Schoch.
Martina Braun, Schwarzwaldbäuerin aus dem Linachtal bei Furtwangen ergänzte. „Die Voraussetzungen für Biomusterregionen im Land sind gut. Bereits 14% der landwirtschaftlichen Nutzflächen werden ökologisch bewirtschaftet, Tendenz steigend und auch die Nachfrage ist hoch. Wir werden versuchen zusätzliche Mittel für Projektkosten für die Biomusterregion im nächsten Doppelhaushalt einzustellen“.
Wichtig sei für Braun, dass alle von der Wertschöpfung profitieren und eine gute Vernetzung der einzelnen Biomusterregionen untereinander gelinge um Erfahrungen auszutauschen und Fehler zu minimieren.
Für Michael Krumm vom Regierungspräsidium Freiburg sei die Biomusterregion eine große Chance zur Stärkung des ländlichen Raumes, der Wertschöpfungskette mit Produktion, Verarbeitung bis zur Vermarktung, werde auch das Regierungspräsidium die Entwicklung unterstützen. Inzwischen bewirtschaften ca. 1.300 Betriebe 45.000 Hektar ökologisch. Bio sei keine Nische mehr, so Krumm.
Thomas Dresel war von Anfang an bei der Erstellung der Bewerbung und des Konzeptes als Vertreter der Stadt Freiburg dabei. Für die Stadt Freiburg spiele vor allem der Klimaschutz eine große Rolle. Es gehe um Konsumverhalten der Verbraucher. Freiburg investiere seit vielen Jahren in Projekte zu Verbraucheraufklärung und Analyse. Man freue sich nun zusammen mit anderen Akteuren mehr bewegen zu können. Der Anteil regionaler Produkte bezogen auf dem Konsum liege in Freiburg bei unter 20 %, wie eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) aus der Schweiz herausfand.
Auch Marijke Böhmer könne sich Synergieeffekte gut vorstellen. Die Versorgung der Stadt Freiburg funktioniere nur durch die landwirtschaftlich geprägten Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. So sind die Verbraucherinformation, gläserne Produktion, Schulbauernhof, KÖLB, Bildungszentrum, LTZ und Lernortbauernhof als wichtige, bereits vorhandene Akteure zu betrachten! Jetzt gehe es darum ein Zusammenwirken zu erreichen und Kooperationsmöglichkeiten auszuloten und zu verbessern. Da im Kreis Emmendingen zurzeit lediglich 7% der Betreibe auf 9% der Fläche nach ökologischen Maßgaben wirtschaften, sei hier noch viel Luft nach oben. Werner Räpple freute sich sehr über die Einladung. Auch für ihn sei die Biomusterregion ein gutes Instrument, von dem Landwirte und Institutionen profitieren können. Räpple betonte die Gemeinsamkeit von biologischer und konventioneller Wirtschaftsweise. Er warnte allerdings vor einem Verdrängungsmarkt. Im Vordergrund müssen die regionale Wertschöpfung und ein Qualitätswettbewerb stehen. Ein Wettbewerb über den billigsten Preis passe nicht in die Biomusterregion. Es müssen Strukturen und Märkte geschaffen werden, die das Mehr an regionalen und biologischen Produkten aufnehmen können. Die im Volkbegehren Pro Biene vorgesehenen 50% biologische Bewirtschaftung bis 2035 bewertete er beispielsweise für den Weinbau am Kaiserstuhl sehr kritisch. Dort würde ein absolutes Spritzmittelverbot eine Bewirtschaftung auf rund 10.000 Hektar nahezu unmöglich machen. „Viele Landwirte setzen sich für Artenschutz und Biologische Vielfalt und Klimaschutz ein. Sie legen Blühstreifen an und bewirtschaften den Wald nachhaltig. Grünland ist ein sehr guter Wasser- und CO2-Speicher.“
Diesen Punkt nahm Christian Eichert auf. Der Bioexperte sprach sich vehement für die Weidewirtschaft aus. Es sei wichtig, diese Kreislaufwirtschaft zu beizubehalten und das Fleisch entsprechend zu vermarkten. Er betonte, dass Eichstetten eine der Geburtsstätten der biologischen Landwirtschaft war. Das Potential für Bioprodukte sei sehr groß, gerade auch in der Kantinenverpflegung von Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Da in den nächsten 2-3 Jahren rund 20% der Landwirte auf biologische Produktion umsteigen möchten, kämen die Biomusterregionen gerade richtig, so Eichert. Es entsponn sich noch ein interessantes Gespräch mit vielen tollen Ideen die von den interessierten Gästen vorgebracht wurden. Zum Schluss bedankte sich Alexander Schoch bei den Referenten und den Gästen für den intensiven Austausch. „Wir sind auf einem guten Weg. Die Biomusterregion bietet uns allen gute Zukunftschancen, die wir jetzt nutzen müssen.“
Ein besonderer Dank galt der Familie Wagner für das schöne Ambiente und die gute Bewirtung.

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