Mobilität im Ländlichen Raum: Gespräch mit Winfried Hermann in Elzach

Klimaschutz und klimafreundliche Mobilität sind im Moment in aller Munde. Oft beziehen sich die Themen auf großstädtische Voraussetzungen mit einem umfassenden ÖPNV-Angebot. Wie aber soll die Verkehrswende im Ländlichen Raum aussehen?

Um diese und weitere Fragen zu besprechen kam Verkehrsminister Winfried Hermann nach dem Ortstermin in Winden auf Einladung von Alexander Schoch nach Elzach, wo er mit Akteuren aus dem Verkehrsbereich und Vertretern aus der Kommunalpolitik im Elztal im Ratssaal zusammentraf. Der Einladung gefolgt sind Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landrat und Regio-Verbundsvorsitzender Hanno Hurth, Geschäftsführer der Regio-Verbund GmbH Uwe Schade, die Bürgermeister Roland Tibi, Mathis Rafael und Klaus Hämmerle, Simon Kuss und Pablo Rebholz von Mobil im Tal, Marita Schmieder von der BI-Pro-Ortsumfahrung Winden und´Vertreter*innen der Gemeinderäte Elzach, Gutach, Simonswald, Waldkirch und Winden.

Alexander Schoch hatte zu der Runde eingeladen, um Ideen und Anregungen auszutauschen. Neben der laufenden Elektrifizierung der Elztalbahn und der Forderung nach einer Regiobusverbindung  zwischen Haslach und Elzach, die vom Land gefördert würde, sieht er Carsharing sowie den weiteren Ausbau der Radwege als wichtiges Element auf dem Weg zu klimafreundlicher Mobilität im Elztal.

Roland Tibi wies auf Problempunkte hin: wo wenig ÖPNV-Angebot besteht, werden die Menschen nach wie vor auf den Individualverkehr bauen. Und das ist in den meisten Fällen das Auto. Zukunftsträchtige Ideen wie autonomes Fahren seien auf dem Land in absehbarer Zeit nicht umsetzbar: hierzu fehle das ausreichend ausgebaute Mobilnetz. Er bedauerte außerdem, dass die preisgekrönte Initiative des Rats der Jugend „Mobil im Tal“ bisher nicht den erhofften Effekt gehabt habe. Die Menschen seien offenbar nicht bereit gewesen, ihre stark verwurzelten Gewohnheiten aufzugeben.

Winfried Hermann, der mit der Landesregierung das Ziel verfolgt bis 2030 40 Prozent der CO2 Emissionen gegenüber 1990 einzusparen, betonte, wie wichtig es sei, den Ländlichen Raum in die Überlegungen einzubeziehen. Neben den Verkehrsmitteln an sich müssten auch gesellschaftliche Entwicklungen, die mehr und mehr Pendler hervorgebracht hätten, überdacht werden. Beim Ausbau des ÖPNV müssen alle Ebenen besser ineinander greifen. So brauche es pünktlichere Fernbahnverbindungen, deren Verspätungen jeweils die regionalen Züge warten lassen und die Busse müssen den Zugfahrplan gut ergänzen.

Alexander Schoch merkte in diesem Zusammenhang an, dass es nicht sein könne, dass der Ausbau des 3.und 4. Gleises der erst 2035 abgeschlossen werden soll wodurch keine Verbesserung des ÖPNV auf der Rheintalstrecke möglich würde. Hier sei dringend ein beschleunigter Ausbau des 3. und 4. Gleises der Rheintalbahn nötig, worauf das Land hat die DB bereits aufmerksam gemacht habe. Die Landesregierung ergreift überall dort, wo sie direkten Einfluß hat, Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur, wie bei der Frage der Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken oder bei der Gestaltung von Tarifstrukturen wie im vergangenen Jahr den BW-Tarif, der das Zugfahren im Land wesentlich vergünstigt verbundübergreifenden Fahrkartenkauf ermöglicht und den örtlichen ÖPNV mit einschließt.

Die in der Runde angesprochenen Themen reichten von dem Ausbau der E-Tankstellen, dem anstehenden Schnellradweg zwischen Waldkirch und Freiburg, der Verantwortung von Unternehmen, umweltfreundliches Pendeln zu bestärken und zu fördern.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass es noch viel zu tun gibt und wollen sich weiterhin gemeinsam dafür einsetzen, klimafreundliche Mobilität zu fördern. Mit dem Eintrag des Ministers ins goldene Buch der Stadt Elzach endete die Veranstaltung, mit der sich Alexander Schoch zufrieden zeigte: „Ich denke, wir haben gute Anregungen gesammelt und konnten einige Fragen, wie die Fertigstellung der Elektrifizierung der Breisgau – S – Bahn bis Elzach, klären. Vielen Dank an Minister Hermann und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre guten Beiträge und die interessante Diskussion!“

Pressebericht:
Badische Zeitung vom 17.07.2019: Höherer Preis für ein Umdenken nötig

BNa

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