Kunst und Kultur im Landkreis Emmendingen

Kulturgespräch mit Petra Olschowski und Alexander Schoch

PRESSEMITTEILUNG Nr. 57/2019
Emmendingen, den 05.06.2019

 Im Landkreis Emmendingen gibt es eine vergleichsweise große Anzahl von Theatern, Museen und weiteren Einrichtungen, die die Kulturlandschaft gestalten und bereichern. Die meisten davon werden ganz oder zum Teil ehrenamtlich betrieben. Das Themenforum „Kunst und Kultur in ländlichen Räumen“ im Rahmen des im letzten Jahr gestarteten landesweiten Kulturdialogs des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) setzt sich aktuell landesweit mit dessen Chancen und Herausforderungen auseinander. Der Landtagsabgeordnete Alexander Schoch initiierte diesen Dialog auch in seinem Wahlkreis und lud Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski und Kulturschaffende aus dem Landkreis Emmendingen zu diesem Dialog in den Scheunenkeller des Anwesen Leonhardt ein.

Die Vertreterinnen und Vertreter der kulturellen Einrichtungen, Alexander Schoch und Petra Olschowski waren sich einig, dass die ländlichen Räume keine einheitlichen Gebiete, sondern die Kulturlandschaften zum Beispiel durch die Entfernung zu größeren Städten, Infrastruktur und Zusammensetzung der Bevölkerung stark regional geprägt seien. Trotzdem sei es wichtig, über den Tellerrand zu blicken: „Kirchturmpolitik, die sich nur um einen eng begrenzten Raum kümmert, wird die Kultur im Ländlichen Raum nicht weiterbringen. Gerade auch über Genre-Grenzen hinweg können oft Synergien gefunden werden.“, sagte Petra Olschowski, die sich beeindruckt vom großen ehrenamtlichen Engagement im Landkreis zeigte. Die Frage, wieviel Ehrenamt leisten könne, und wo es professionelle Strukturen brauche, sei gerade im Ländlichen Raum viel diskutiert. Alexander Schoch betonte, es solle nicht darum gehen, wie man ehrenamtlich aufgebaute, erfolgreiche Einrichtungen in die Professionalität überführen könne. Vielmehr wolle man Wege suchen, die zahlreichen Ehrenamtlichen zu unterstützen. Hans-Jörg Jenne, Kulturbeauftragter der Stadt Emmendingen, berichtete von Verunsicherung der Ehrenamtlichen im rechtlichen und Haftungsfragen. Klare Regelungen, wie rechtlicher Schutz ohne Pleite-Risiko unter Einhaltung von Sicherheitsauflagen gelingen kann, fehlen aus seiner Sicht.

Den Zuspruch von Publikum und Akteuren beurteilten die anwesenden Diskutanten unterschiedlich. Allgemein wünschten sich die Gesprächsteilnehmer mehr Mitwirkung von Menschen im mittleren Lebensalter, die im Ehrenamt am wenigsten anzutreffen sind. Felicitas Adobatti, die am Waldkircher Theater mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, berichtete, dass schulische Verpflichtungen auch Jugendlichen oft wenig Zeit lasse, sich intensiv in einem Theaterprojekt zu engagieren. Der Publikumszuspruch sei jedoch sehr gut, gemessen an der Größe der Städte und Gemeinden im Landkreis prozentual gesehen oft größer als in Freiburg.

Wo können die Kulturschaffenden Unterstützung finden? Eine Möglichkeit sind die zur Verfügung stehenden Fördermittel. Das Land braucht aufgrund des Subsidiaritätsprinzips, das das Eingreifen der jeweils nächsthöheren Ebene nur unterstützend ermöglicht, für viele Fördermöglichkeiten jedoch Partner vor Ort. Das heißt: wenn Gemeinde oder Landkreis sich nicht einer Förderung beteiligen, gibt es nur wenige Möglichkeiten, Landesmittel zu bekommen. Die Anträge dafür werden einstimmig als sehr aufwändig und kompliziert empfunden. Das hörte die Staatssekretärin nicht zum ersten Mal. Aufgrund dessen plant das MWK in Modellregionen im Land Regionalmanager einzusetzen, die Kulturschaffende dabei unterstützt Synergien zu nutzen und passende Fördermittel zu finden und zu beantragen. „Die vielseitige Kulturlandschaft in Emmendingen würde sich meiner Ansicht nach als Modellregion anbieten.“, schlug Alexander Schoch vor und stieß damit auf Zustimmung unter den Anwesenden. Der Abgeordnete zeigte sich zufrieden mit dem Gespräch, aus dem er viele Anregungen mitnehmen konnte. Den Dialog mit den Kulturschaffenden möchte er, gerne auch um neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer erweitert, weiterführen.

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