Fachgespräch Ausbildung in der Landwirtschaft

Ergebnisse aus dem Fachgespräch landwirtschaftliche Schulen am 22.02.2019

Auf Einladung der Landtagsfraktion der Grünen trafen sich über 50 Schülerinnen und Schüller sowie Lehrerinnen und Lehrer aus landwirtschaftlichen Schulen aus Baden-Württemberg um über die Ausbildung und die Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Ausbildung sich auszutauschen und mit den anwesenden Abgeordneten Alexander Schoch, Martina Braun, Thekla Walker und Martin Grath zu diskutieren.

Anwesend waren folgende Schulen:  Hilde Domin Schule, Herrenberg; Justus von Liebig Schule Aalen;  Edith Stein Schule Ravensburg;Landwirtschaftliche Schulen Wangen;Albert Schweizer Schule Villingen-Schwenningen;  Edith Stein Schule Freiburg;Berufliche Schule Münsingen;Richard von Weizsäcker Schule Öhringen; Valckenburgschule Ulm; Berufsschulzentrum Radolfzell;Geschwister Scholl Schule Leutkirch;Eugen Grimminger Schule Crailsheim.

Hintergrund der Veranstaltung waren gestiegene Anforderungen an die Landwirtschaft, zukünftige Herausforderungen wie die Digitalisierung in der Landwirtschaft und die deutlich gestiegene Nachfrage nach Regionalität der Produkte und biologisch erzeugten landwirtschaftlichen Produkten.  Es wurde deutlich hervorgehoben, dass der deutsche Ökolandbau die Nachfrage biologisch erzeugter Produkten nicht decken kann. 

Bereits in der Vorstellungsrunde stellte sich heraus, dass der Bedarf nach Austausch und Diskussion über das Berufsbild des Landwirtes und der beruflichen Ausbildung zum Landwirt sehr groß war und das Thema der Qualität der Ausbildung und der Ausbildungsinhalte die Diskussion  prägten.

Interessiert und erfreut nahmen die Abgeordneten zur Kenntnis, dass sich von den 30 anwesenden Schüler*innen 22 direkt in der Hofnachfolge sahen, die anderen Schüler*innen konnten sich eine Hofübernahme bzw. die Anstellung auf einem Hof in der Zukunft vorstellen.

Erfreulich war auch die Feststellung, dass 2017 und auch 2018 erstmals wieder seit 2010 eine steigende Zahl von Auszubildenden in den landwirtschaftlichen Berufen, speziell  in der Ausbildung zur/zum Landwirt/in, zu verzeichnen ist.

Von den teilnehmenden Schüler/innen und Lehrer/innen wurden zum einen die Stärken der aktuellen Ausbildung aufgezeigt und zum anderen die Defizite, die sich differenzieren ließen in Schwächen im Lehrplan, in der Ausbildung, in der Lehrerausbildung und der Attraktivität des Berufsbildes.

  • Für den Landesrahmenlehrplan zur Ausbildung von Landwirten ist zum einen zu prüfen, ob die aktuellen Lehrpläne noch den Anforderungen entsprechen und ob eine Ökologisierung der Lehrpläne erfolgen muss, zum anderen sollten folgende Punkte vor dem Hintergrund des Fachgesprächs mit den Schulen berücksichtigt werden:
  • Das Thema Biodiversität muss in den Lehrplan integriert werden
  • Bei den Themen Tierproduktion muss vor dem Hintergrund der Landschaftspflege mehr Gewicht auf Schaf und Ziegenhaltung gelegt werden
  • Das Thema Öffentlichkeitsarbeit – gläserne Produktion muss stärker in den Fokus genommen werden
  • Im 1. Ausbildungsjahr sollte auch in einem Ökobetrieb die Fachpraktische Ausbildung stattfinden können
  • Die überbetriebliche Ausbildung muss gestärkt werden
  • Precision Farming
  • Prüfungen auf Öko-Betrieben sollen vom Azubi gewählt werden können
  • Die schriftliche Prüfung muss auch Ökolandbauthemen enthalten.
  • Prüfungen auf Öko-Betrieben sollen vom Azubi gewählt werden können
  • Die Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Fachschulen muss deutlich verbessert werden und auch mit der DEULA
  • Wie können auch in der Zukunft genügend Auszubildende für den Beruf des Landwirtes gewonnen werden? – Hier wurde vorgeschlagen, dass in den allgemeinbildenden Schulen verstärkt auch Praktika auf Höfen angeboten werden sollen.

Schulstandorte sollen gestärkt und erhalten werden, was zur Attraktivität des Ausbildungsberufes beitragen könnte!

Das Thema Blockunterricht sollte nochmal geprüft werden, ob es nicht für alle Schulen sinnvoll wäre

  • Weitere Forderungen:
  • Die Zusammenarbeit mit den Fachschulen muss deutlich verbessert werden
  • Zusammenarbeit mit DEULA  (Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik) verbessern
  • Mehr und bessere Zusammenarbeit zwischen MLR und Kultusministerium
  • Lehrer mit mehr fachpraktischer Erfahrung – mehr Praktika für Lehrer
  • Ökolandbau muss in der Lehrerausbildung deutlich stärker berücksichtigt werden
  • Die digitalen Technologien sind in der Arbeitswelt auf dem Vormarsch, ob auf dem Feld, im Stall, in den Produktionsbetrieben des Gartenbaus.  Das Thema Digitalisierung muss auch in den Lehrplänen und in der überbetrieblichen Ausbildung sich niederschlagen.
  • Die Einrichtung des KÖLBW war ein wichtiger Faktor zum weiteren Ausbau des biologischen Landbaus, hierzu gehört auch der Ausbau der Versuchs- und Forschungsaktivitäten auf dem KÖLBW aus Mittel des Aktionsplans aber natürlich auch aus Mitteln des MLR und des MWK verstärkt werden

Gemeinsam mit den ausbildenden Öko-Landwirten sollen die Inhalte für den Unterricht im Ökolandbau bei regionalen Ausbildertreffen abgesprochen werden.

Hierzu ist es auch notwendig ein Netzwerk von Exkursions- und Kooperationsbetrieben aufzubauen die sich kontinuierlich austauschen.

Um die Qualität der Fachschule für ökologischen Landbau am KÖLBW zu sichern und zu verbessern ist es dringend notwendig eine weitere Lehrerstelle zu schaffen.

Zu Bio BW gehören natürlich auch die Biomusterregionen und daher muss es das Ziel sein die Biomusterregionen und die Umsetzung dieses Projektes in die Ausbildung zu integrieren.

Ein Netzwerk von Exkursions- und Kooperationsbetrieben soll aufgebaut werden

Auf dem Dialogforum zur Integration des Ökolandbaus in die Lehrpläne und Ausbildung, das das KÖN organisiert hat und wozu im letzten Juli das Dialogforum BW stattfand, soll zu einer festen Einrichtung zur Qualitätssicherung werden und durch den Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg“ unterstützt und fortgesetzt werden. Hierzu sollen mindestens jährliche Treffen stattfinden um Handlungsempfehlungen für den Ökolandbau-Unterricht zu entwickeln.

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