V.l.n.r. Carina Bischke vom Fairtrade- Verein, Oberbürgermeister Roman Götzmann, Alexander Schoch MdL, Michael Rees, Frank Dehring, Melanie Gehl-Moser und Barbara Thien.

Waldkirch ist erste Fair Trade- City im Landkreis Emmendingen

Am 14.09.2018 wurde Waldkirch durch Carina Rischke vom Fairtrade-Verein in den Kreis der Fairtrade-Towns in Deutschland aufgenommen. 

Als Koordinator der Steuerungsgruppe hielt Alexander Schoch folgende Rede:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich darf sie im Namen der Steuerungsgruppe „Fairtrade-Town“ Waldkirch ganz herzlich begrüßen. Die Steuerungsgruppe, bestehend aus Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kirche setzt sich zusammen aus: Frau Barbara Thien für die Politik, Herrn Michael Rees (Edeka) und Frank Dehring (Wabe gGmbH) für die Wirtschaft, Frau Gehl-Moser für die Verwaltung, Edwin Dreher (katholische Seelsorgeeinheit Waldkirch) und mir.
Wir hatten die Aufgabe, die Vorbereitungen und Voraussetzungen zu schaffen sowie die Akteure zu finden, um sich als Fairtrade Town zu bewerben. Wir wollen auch zukünftig dazu beitragen, den Kreis der Akteure, die sich der Fairtrade-Idee verpflichtet fühlen, kontinuierlich weiter auszubauen. Der Gemeinderat hat sich entschieden, zum einen mit dem Projekt „Kernig“ die Regionalität und zum anderen fair gehandelte Produkte in den Vordergrund zu stellen. Das passt wunderbar zusammen und wird dem Gedanken der Nachhaltigkeit gerecht.
Damit erfüllen wir die Kriterien aus unserem Leitbild, aus dem ich hier zitieren möchte:
„Wir leben in dem Bewusstsein, dass die Verantwortung für die einmalige Landschaft, Natur und Umwelt unserer Heimat ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln erfordert. Als Cittáslow nehmen wir diese Verantwortung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht in besonderer Weise an und sind offen für Gäste und Besucher aus aller Welt. Wir legen Wert auf Gastfreundschaft und auf Solidarität unter den Menschen unserer Stadt.“
Weiter heißt es:
„Unsere Vision ist eine dem Menschen und der Menschlichkeit förderliche kommunale Gemeinschaft – eine lebens- und liebenswerte Stadt Waldkirch.“ (…) „Die städtische Wirtschaftspolitik fördert nachhaltiges Wirtschaften und unterstützt den Ausgleich von Ökonomie und Ökologie.“
Genau dies bringen wir durch unser Engagement als „Fairtrade-Town“ den Menschen die hier leben und jenen, die uns besuchen, zum Ausdruck und unterstützen damit die Menschen in Entwicklungsländern. Auch die Bildung der Steuerungsgruppe passt hinsichtlich Bürgerbeteiligung und Beteiligungsprozessen in die Anforderungen des Leitbildes unserer Stadt. Daher ist es mir auch wichtig mit den folgenden Zitaten die Mitglieder der Gruppe zu Wort kommen zu lassen:
Barbara Thien sagte: „Ich habe mich als Mitglied des Gemeinderats bereit erklärt, an der Steuerungsgruppe teilzunehmen, da ich überzeugt bin, dass wir wesentlich mehr tun müssen, um Fairtrade Projekte zu unterstützen. Vielleicht kann ich in diesem Rahmen dazu beitragen, dass dieses Thema mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt und durch meine Kontaktaufnahme mit hiesigen Geschäften, Schulen etc. mehr für eine gerechte Bezahlung der Produkte der Dritten Welt geschieht.
Frank Dehring von der Wabe bewegt es in der Steuerungsgruppe Fairer Handel mitzuarbeiten, weil „es der Gesellschaftszweck der Wabe gGmbH ist, arbeitslosen Menschen eine Perspektive auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Denn auch benachteiligte Menschen, sollen in die Lage versetzt werden als selbständige Persönlichkeiten am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Diesen Ansatz verfolgen wir sowohl regional, als mit dem Weltladen auch global. Der Waldkircher Weltladen versteht sich gleichzeitig als Fachgeschäft für Fairen Handel und als Lern- und Begegnungsort für globale Nachhaltigkeit. Das Besondere am Waldkircher Weltladen ist die Kombination aus Arbeitsförderung und hohem bürgerschaftlichem Engagement.“
Micheal Rees formuliert es so: „Seit Jahren fördern wir in unseren Märkten mit über 30 Fairtrade Produkten diese tolle Sache. Dieses Thema ist uns sehr wichtig und deshalb habe ich auch sehr gerne in der Steuerungsgruppe mitgewirkt. Es hat mir sehr viel Spaß bereitet und wir werden uns auch zukünftig mit diesem Thema befassen. Wir werden die kommenden Fairtrade-Wochen durch Sonderplatzierungen, Sonderwerbungen und Verkostungen unterstützen.“
Für die KSEW sagt Edwin Dreher: „Die KSEW nutzt fair gehandelte Waren um damit umwelt- und ressourcenschonende Anbaumethoden zu unterstützen. Das ist konkret umgesetzt Bewahrung der Schöpfung. Wichtig sind für uns auch faire Preise und gute Arbeitsbedingungen für die oft kleinbäuerlichen Erzeuger. Wir wollen dazu beitragen, dass durch die Fairtrade-Initiative der Stadt Waldkirch in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Bedeutung fair und umweltschonend (auch regional) erzeugter Waren wächst.“
Ich glaube, diese Zitate bringen sehr gut zum Ausdruck, dass die Mitglieder mit großem Engagement und hoher Motivation und Erwartung an das Thema Fairtrade herangegangen sind.
Sehr geehrte Damen und Herren – „global denken – lokal handeln!“ Wer kennt ihn nicht, den Leitspruch der Agenda 21 von 1992 in Rio de Janeiro und dem Kapitel „lokale Agenda“, welches wie folgt eingeleitet wird:
„Die Lokale Agenda 21 ist ein Aktionsprogramm, mit dem sich eine Gemeinde das Ziel setzt, ihre Entwicklung ganzheitlich und zukunftsbeständig zu steuern und voranzutreiben“.
Es geht also um die Zukunft unserer unserer Gemeinde und das geht nur gemeinsam. Genau darum kümmern wir uns!
Die Kommunen spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von Entwicklungsstrategien. Ein konkreter Ansatzpunkt dazu ist, das Motto „global denken – lokal handeln“ mit Leben zu füllen und einen aktiven Beitrag zur internationalen fairen Entwicklungsagenda zu liefern.
Gerade als Stadt stehen wir natürlich auch in der Pflicht, beispielgebend voran zu gehen, was z.B. das Thema Beschaffung betrifft. Das Land BaWü hat mit der VwV Beschaffung* einen Schritt in Richtung ökologischer und sozialer Kriterien gemacht und empfiehlt den Kommunen im Sinne der Vorbildfunktion dies ebenfalls umzusetzen. „Kernig“ und „Fairtrade“ bieten hierfür gute Grundlagen.
So sehe ich es auch als schlüssig und konsequent an, eine Partnerschaft mit einer Kommune in einem Entwicklungsland einzugehen.
Daher ist die heutige Auszeichnung als Fairtrade-Town jedoch weitaus mehr als die Erfüllung von fünf Kriterien wie z.B. Angebote von Fairtrade-Produkten in Einzelhandel, Gastronomie, Schulen, Vereinen, Kirchen und Verwaltung!
Es ist eine Herausforderung für die gesamte Stadt und seinem Gemeinwesen „Fairtrade“ umzusetzen, um diesem Zertifikat auch in Zukunft gerecht zu werden. Hierzu haben wir bereits Ideen entwickelt und wir freuen uns darauf, als Steuerungsgruppe mit den Bürgerinnen und Bürgern, dem Gemeinderat und der Verwaltung die Umsetzung der Ziele weiter voranzutreiben.
Zum Schluss möchten wir dem Gemeinderat und Oberbürgermeister Roman Götzmann, und insbesondere Frau Gehl-Moser danken, dass die Beschlüsse gefasst wurden, die es ermöglichen, diesen Weg heute mit der Auszeichnungsfeier zu beginnen.
Vielen Dank!
*Verwaltungsvorschrift der Landesregierung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VwV Beschaffung) vom 17. März 2015,

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