Referenten beim Fachgespräch Biodiversität mit Andre Baumann von links nach rechts: Andre Baumann, Alexander Schoch, Stefan Engler, Axel Mayer, Ulrike Schneider, Martin Moosmayer, Martin Geisel und Stefan Schill

Alexander Schoch MdL: Biodiversität als große Gemeinschaftsaufgabe

Alexander Schoch MdL: Biodiversität als große Gemeinschaftsaufgabe

 

Bei einem Fachgespräch des Landtagsabgeordneten Alexander Schoch mit dem Titel „Biodiversität und Naturschutz – auf dem Weg zu mehr Schutz von Natur und Artenvielfalt“ diskutierten rund 100 Besucher auf der Hochburg mit Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann, dem BLHV-Kreisvorsitzenden Stefan Engler, Stefan Schill von der Naturschutzbehörde des Landkreises Emmendingen, Geschäftsführerin von ZweiTälerland-Tourismus Ulrike Schneider, BUND Regionalgeschäftsführer Axel Mayer, Martin Geisel, stellv. Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands des Landkreises Emmendingen und Martin Moosmayer als Leiter des Forstbezirks Waldkirch.
Der Landtagsabgeordnete hob in seiner Begrüßung hervor, dass der Rückgang von Tier- und Pflanzenarten ein globales Thema sei, jedoch regional und kommunal gelöst werden müsse. Um dieses drängende Problem zu lösen, sei es wichtig, dass sowohl Bundes- als auch Landespolitik die Rahmenbedingungen richtig setze. Baden-Württemberg übernehme mit dem „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ eine Vorreiterrolle und auch besondere Verantwortung, wenn es darum gehe, die Biodiversität zu erhalten und zu fördern, so Alexander Schoch.

Auch die bereits 2013 verabschiedete „Naturschutzstrategie Baden-Württemberg“ verfolgt das Ziel, die biologische Vielfalt in Baden-Württemberg mit einer breiten Beteiligung zu erhalten. Der Begriff Biologische Vielfalt oder Biodiversität steht als Sammelbegriff für die Vielfalt der Ökosysteme (dazu gehören Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften), die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Naturschutz wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen.

Dr. Andre Baumann ging in seinem Vortrag auf die Wichtigkeit der Einhaltung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien ein. Nur mit gemeinschaftlicher Anstrengung von Politik, Verbänden und Verwaltung könne es gelingen, Lebensräume zu verbessern und Arten zu erhalten. Im Moment gebe es in Baden-Württemberg noch 73.000 ha artenreiches Grünland, Tendenz fallend, so Baumann. Das Land Baden-Württemberg hat seine Ausgaben für den Naturschutz erheblich erhöht. Besonders wichtig, so Baumann sei es die Biotopvernetzung voranzutreiben. Dabei spielen die Landschaftserhaltungsverbände eine entscheidende Rolle, die als Brücke zwischen Landwirtschaft und Naturschutz hervorragende Arbeit leisten.

Für Stefan Engler, der den Bauernverband vertrat, stehe Landwirtschaft nicht im Widerspruch zum Natur-und Artenschutz. Im Gegenteil: viele Flächen, die heute naturschutzfachlich besonders interessant sind, wurden durch die Landwirtschaft geprägt. Engler wünsche sich einen flexibleren agrarpolitischen Rahmen, der dem Landwirt ermögliche auf die Gegebenheiten in der Fläche zu reagieren.

Im Wald habe es in den letzten 20 Jahren erhebliche Veränderungen gegeben, nachdem er über 150 Jahre als reiner Wirtschaftswald genutzt wurde. Martin Moosmayer berichtete vom ökologischen Umbau, mit mehr Stabilität durch eine Erhöhung des Laubbaumanteils und eine stärkere Durchmischung. Der Wald sei als grüne Lunge und Naherholungsgebiet genauso wichtig wie als Rückzugsort für seltene Arten. So sei mittlerweile ein gewisser Totholzanteil völlig ein völlig normales Bild. Die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Erholung und Naturschutz sei eine große Herausforderung.

Ulrike Schneider sprach von der Schönheit und Einzigartigkeit einer intakten Kulturlandschaft als Standortvorteil für den Tourismus. Wie diese Landschaft gepflegt und erhalten werden kann, darüber sei umfangreiche Aufklärung notwendig, am besten bereits im Kindergarten. Bei Eingriffen in die Natur, wie z.B. der Schaffung von Wander- oder Mountainbikewegen, sei ein offenes und transparentes Entscheidungsverfahren wichtig, so Schneider.

130 Tier- und Pflanzenarten sterben täglich aus, sagte Axel Mayer zu Beginn seines Statements. Um wirklich noch etwas zu bewirken, müsse jetzt bei den Pestiziden angefangen werden. Er sprach von den Neonikotinoiden, die vor Jahren das massive Bienensterben ausgelöst hatten und beim Rückgang der Insekten besonders unter Verdacht stehen, und die nach wie vor nicht verboten wurden. Die Fernwirkung dieser Gifte sei ebenfalls ein großes Problem, so Mayer. Wenn die Insekten fehlen, sterben auch die insektenfressenden Arten. Der Preiskampf der Landwirte, der durch Freihandel und Globalisierung gerade auf den kleineren Betrieben lastet, sei immens. Mayer wiederholte seine Sympathie für eine kleinstrukturierte regionale Landwirtschaft.

Der Landschaftserhaltungsverband könnte auch Biodiversitätsverein heißen, sagte Martin Geisel. Viele Kleinst- und Restflächen, die aus der landwirtschaftlichen Produktion herausfallen werden hier gepflegt. Eine gute Zusammenarbeit mit den Landwirten sei wichtig, so Geisel.

Auch Stefan Schill, der die Naturschutzbehörde des Landkreises vertrat, berichtete von einem guten Miteinander. Ein großes Problem sehe er im riesigen Flächenverbrauch besonders in der Ebene. Es sei wichtig, diesen Bauboom zu kanalisieren. Warum, so Schill, könne nicht mehrstöckig gebaut werden? Im Schwarzwald dagegen, gebe es eine gegenläufige Bewegung. Von dort ziehen die Menschen weg.

Aus dem Publikum gab es Fragen zu ganz unterschiedlichen Themenbereichen.  Die Forderung nach der Verknüpfung von Tierhaltung mit der Fläche wurde genauso gestellt, wie eine Änderung des Baurechts für die Landwirte. Der Umgang mit Pestiziden und der Flächenverbrauch wurden genauso thematisiert wie die anstehenden Verhandlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Nach einer intensiven und abwechslungsreichen Gesprächsrunde, in die das Publikum einbezogen wurde, bedankte sich Alexander Schoch bei Besuchern, Referenten und bei Andre Baumann für den interessanten Abend, der deutlich machte, dass das Ziel zu mehr Artenvielfalt nur durch ein gemeinsames Handeln der Akteure zu erreichen ist.

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