Die Erinnerungsstätte in Waldkirch

Waldkirch weiht das Mahnmal für die im Holocaust ermordeten Menschen in Litauen ein

Am Sonntagabend wurde in Waldkirch das Mahnmal zum Gedenken der 138.27 Menschen, die durch den Befehl des Waldkircher SS-Mannes Karl Jäger 1941 in Litauen ermordet wurden, zusammen mit zwei Schrifttafeln von Wolfram Wette und Oberbürgermeister Roman Götzmann enthüllt.

Das von dem aus der March stammenden Bildhauer Thomas Friedrich geschaffene Denkmal besteht aus fünf Basaltsäulen, die für das fünfte Gebot – Du sollst nicht töten – stehen. Eine der Tafeln erläutert die historischen Ereignisse. Die zweite wendet sich mit einem Text der Waldkircher Schriftstellerin Eva Maria Berg an die Nachgeborenen:

 

Das große Engagement der Ideenwerkstatt „Waldkirch in der NS-Zeit“ hat sich seit vielen Jahren gemeinsam mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Waldkirch mit den historischen Ereignissen in Litauen in den Jahren 1941/42, für die der Waldkircher SS-Mann Karl Jäger als Einsatzleiter die Befehle gab, beschäftigt. Zur Einweihung der Gedenkstätte kamen viele Gäste aus Politik und Gesellschaft, darunter auch der litauische Botschafter Deividas Matulionis und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Litauens, Faina Kukliansky, sowie Vertreter des Hilfsvereins der Ghettoüberlebenden, was die Bedeutung dieser Gedenkstätte unterstreicht.

 

Alexander Schoch zur Bedeutung von Gedenkstätten:

Die  Frage  nach  den  Perspektiven  und  der  Bedeutung  von  Gedenkstätten  ist aktuell und wichtig, wenn man sich vor Augen hält, dass es für Opfer und deren  Angehörige  und  Nachkommen  keine  Erinnerungsgrenze  gibt.  Für  sie  ist  die  Verfolgung,  die  sie  unter  nationalsozialistischer  Ideologie  und  Herrschaft  erlitten  haben,  zum  lebenslangen Trauma geworden, das auch ihre Kinder und Enkel betrifft. Dies wurde durch das Filmprojekt „Karl Jäger und wir“ sehr deutlich.

So ist für mich der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus so notwendig wie der Volkstrauertag und der Tag der  deutschen  Einheit. Denn zur Sinnstiftung politischer Kultur ist es unerlässlich, zentrale Werte, auf die unser Grundgesetz aufgebaut ist, deutlich zu machen und auch eine allgemeine Übereinkunft in zeremonieller Form zu demonstrieren. Eine Holocaust-Gedenkstätte ist auch ein Zeichen des öffentlichen Konses zur Abkehr vom Nationalsozialismus. Es dokumentiert, dass  menschenfeindliche Ideologien wie der Nationalsozialismus keinen Raum mehr in Deutschland gewinnen sollen. Und es drückt Solidarität mit den Opfern des Nationalsozialismus aus. Eine Gedenkstätte soll dem Frieden zwischen den Völkern dienen und dem inneren Frieden der Opfer und ihrer Nachkommen.

„Die  Würde  des  Menschen  ist  unantastbar. Sie  zu  achten  und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ So lautet der erste Artikel des deutschen Grundgesetzes. Wer  die  Geschichte  des  NS-Unrechtsregimes  kennt,  weiß,  warum  die  Väter  und  Mütter unseres Grundgesetzes diese so gewichtigen Sätze zum Artikel 1 unserer Verfassung gemacht haben. Sie kannten das  Leid  von  Ausgrenzung  und Verfolgung,  teilweise aus  eigener  Erfahrung.  Artikel 1 des Grundgesetzes hat an Bedeutung in keiner Weise verloren, gerade auch vor dem Hintergrund der rechtspopulistischen Parolen aus der AfD.

In diesem Zusammenhang kritisiere ich nochmals aufs schärfste die Haltung der AfD zu Gedenkstätten und ihren Antrag im Landtag von Baden-Württemberg, die Fördergelder für die Gedenkstätte Gurs in Frankreich zu streichen, weil es keine bedeutsamen Stätten deutscher Geschichte seien! Dies ist ein Ausdruck dafür, dass die AfD den Nationalsozialismus verharmlost und die Verbrechen der Deutschen vergessen machen will!

Mit der Einweihung der neuen Gedenkstätte in Waldkirch zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus ermordeten Juden in Litauen leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung und zur Erinnerungskultur.

 

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