300 Jahre jüdische Gemeinde in Emmendingen – Alexander Schoch gratuliert

Am 15.11.2016 feierte die jüdische Gemeinde in Emmendingen ihr 300-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Steinhalle. Seit der Ansiedlung der ersten „Schutzjuden“ vor 300 Jahren hat die Gemeinde eine äußerst wechselvolle Geschichte erlebt. Im Rahmen des Jubiläumsjahrs wurde dies in verschiedenen Vorträgen beleuchtet, außerdem haben Ausstellungen und Konzerte stattgefunden.

 

Alexander Schoch gratuliert der jüdischen Gemeinde:

„Wir blicken heute zurück auf 300 Jahre jüdische Gemeinde und damit 300 Jahre jüdische Geschichte in Emmendingen. Beides wurde im Jubiläumsjahr schon in mehreren Vorträgen mit verschiedenen Schwerpunkten von Experten besprochen und erörtert. Wer das und die Aufarbeitung der Geschichte der jüdischen Gemeinden in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg und dem Holocaust aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass es in einer verhältnismäßig kleinen Stadt wie Emmendingen eine vergleichsweise aktive jüdische Gemeinde gibt.

Nach dem Holocaust und dem fast völligen Verschwinden jüdischen Lebens in Deutschland und auch in Emmendingen ist die jüdische Gemeinde in Emmendingen heute wieder sichtbar – in jedem Sinne. Das jüdische Museum, die heutige, architektonisch ungewöhnliche Synagoge, wo unter gläsernem Dach Gottesdienste gefeiert werden und die Umrisse der alten, von Emmendinger Bürgern zerstörte Synagoge auf dem Schlossplatz gehören unverzichtbar zum Stadtbild, genauso wie die Vertreter der jüdischen Gemeinde ein unverzichtbarer Teil des interreligiösen Dialogs in der Stadt sind.

Das Aufeinander-Zugehen, gegenseitig Kennenlernen ist der sicherste Weg, Vorurteile abzubauen und Ähnlichkeiten und Unterschiede kennen und schätzen zu lernen. Dass das hier in Emmendingen heute gelingt, ist leider keine Selbstverständlichkeit und umso höher zu schätzen. Wie wertvoll das ist, dürfen wir nicht vergessen. Vor einigen Tagen jährte sich die Reichspogromnacht zum 78. Mal und erinnerte uns daran, wohin die Verfolgung Andersgläubiger führen kann. Das darf nie mehr geschehen. Die aktuellen politischen Entwicklungen hier in Europa und in der Welt zeigen aber, dass Toleranz und Dialog mit Andersgläubigen nicht selbstverständlich sind.

Ich möchte als Politiker für diese Werte eintreten und werben. Toleranz und Respekt in Glaubens- und Lebensfragen sind unverzichtbar, wenn ein friedliches Zusammenleben funktionieren soll. Ich bitte Sie alle, auch und gerade angesichts der aktuellen politischen Situation, weiterhin für Toleranz, Humanität und Nächstenliebe einzustehen und den Kräften, die Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig machen, etwas entgegen zu setzen – „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Ich wünsche der jüdischen Gemeinde Emmendingen ein langes, friedvolles Bestehen.

 

Link zum Veranstaltungsprogramm des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur in Emmendingen e.V.

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