Pressemitteilung: Jahresbericht 2015 der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung vorgestellt

PRESSEMITTEILUNG des Landwirtschaftsministeriums
27. Juli 2016 Nr. 161/2016

Minister Peter Hauk MdL: „Unser Essen war noch nie so sicher wie heute – dank einer leistungsfähigen Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg“
Todesfall durch selbst angebaute Zucchini / Internetangebote im Fokus / Auffälligkeiten bei Tees und Nüssen / Kröte im Spinat
„Die Lebensmittelkontrollen in Baden-Württemberg haben auch im letzten Jahr gezeigt, dass unser Essen – mit Ausnahme weniger Einzelfälle – noch nie so sicher war wie heute. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die Kontrolle der Lebensmittel, des Trinkwassers und der Futtermittel im Land funktioniert. Mir ist eine positive Kommunikation über unsere Lebensmittel wichtig. Es kann nicht sein, dass wenige schwarze Schafe die ganze Branche in Verruf bringen. Auf unsere Lebensmittel ist Verlass – und wenn es schwarze Schafe gibt, finden wir sie“, sagte Verbraucherschutzminister Peter Hauk MdL am Mittwoch (27. Juli) in Stuttgart. Die amtlichen Kontrolleure haben 2015 fast 120.000 Betriebskontrollen durchgeführt und knapp 50.000 Proben untersucht. „Die Behörden wurden ähnlich wie in den Vorjahren bei jeder fünften Kontrolle und die Untersuchungsämter bei jeder sechsten Probe fündig. Da die Kontrolleure jedoch gezielt dort prüfen, wo sie Missstände erwarten, sind diese Zahlen nicht repräsentativ“, so Hauk.

Todesfall durch selbst angebaute Zucchini – Vorsicht bei Bittergeschmack
Zucchini aus privatem Anbau waren 2015 verantwortlich für einen Todesfall in BadenWürttemberg. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat zwei Verdachtsproben Zucchini aus diesem Fall untersucht. Dabei konnten giftige Inhaltsstoffe von Kürbisgewächsen, die so genannten Cucurbitacine, nachgewiesen werden. Cucurbitacine sind aus Kultursorten gezielt herausgezüchtet, sie kommen daher üblicherweise nur in Wildformen von Zucchini und anderen Kürbisgewächsen vor, beispielsweise in Zierkürbissen. Durch verschiedene Einflüsse wie beispielsweise die Rückkreuzung mit Wildformen oder eventuell auch Trockenstress können auch normale Zucchini oder Speisekürbisse wieder diese natürlichen Gifte bilden. „Cucurbitacine schmecken stark bitter. Es empfiehlt sich, vor der Zubereitung ein rohes Stück von Zucchini oder Kürbis zu probieren. Das gilt besonders für selbst angebautes Gemüse, aus dem Handel sind solche Fälle bislang nicht bekannt. Eine ungewöhnliche Bitterkeit ist ein Warnzeichen dafür, dass die Zucchini oder der Kürbis nicht zum Verzehr geeignet ist. Verbraucherinnen und Verbraucher sollte sich beim Essen stets auf ihre Sinne verlassen“, erklärte Hauk.

Kröte im Spinat – die etwas andere Beschwerdeprobe
Bei einem Blattspinat, den Verbraucher tiefgefroren und einzeln portionierbar in einer Fertigpackung gekauft hatten, fiel nach dem Kochen beim Abtropfen im Küchensieb ein etwa 1,5 Zentimeter großer verdächtiger Fremdkörper auf. Der Fremdkörper wurde als Beschwerde bei der Lebensmittelüberwachungsbehörde abgegeben und an das Untersuchungsamt in Stuttgart zur weiteren Untersuchung weitergeleitet. Nach einer ersten Übersichtsanalyse konnte ausgeschlossen werden, dass der Fremdkörper pflanzlichen Ursprungs war. Die Begutachtung durch die Pathologen ergab, dass der Fremdkörper Teil eines Amphibien-Körpers mit dunkelgrüner, lederartiger warziger Haut war. Teile der Rippen und Wirbelsäule mit anhängendem gekochtem Muskelfleisch waren zu erkennen. Aufgrund der Färbung und Beschaffenheit der Hautreste handelte es sich dabei wahrscheinlich um eine Kröte. Auch analytisch konnten krötentypische Inhaltsstoffe nachgewiesen werden. „Wahrscheinlich ist das Tier bei der Ernte mit erfasst worden und später beim Herstellungsprozess nicht entfernt worden. Das führt zwar nicht zu Gesundheitsschäden, ist jedoch ekelerregend und wurde beanstandet. Fremdkörper in Lebensmitteln kommen immer wieder vereinzelt vor – für die Expertinnen und Experten an den Untersuchungsämtern gilt es dann herauszufinden, ob mehr als ein Einzelfall dahintersteckt“, führte der Minister aus.

Auch Kosmetik im Fokus – Zahnbleichmittel und Haarglättungsmittel auffällig
Keine strahlende Bilanz ergab das Untersuchungsprogramm von Zahnbleichmitteln: Mehr als ein Drittel der Proben (7 von 19) waren zu beanstanden. Ein über das Internet erhältliches Produkt, das mit einer stark wasserstoffperoxidhaltigen Gelschicht belegt war, musste sogar als nicht sicher für die menschliche Gesundheit beurteilt werden. Denn wer dieses Produkt ohne ärztliche Betreuung anwendet, hat ein erhöhtes gesundheitliches Risiko – von Verletzungen des Zahnfleisches bis hin zu einem erhöhten Krebsrisiko vor allem bei zusätzlichem Tabakkonsum oder Alkoholmissbrauch. Dennoch wurden auf der Verpackung des Produkts Raucher und Weintrinker besonders angesprochen, die Anwendung wurde speziell bei dieser Personengruppe empfohlen. Auch bei Haarglättungsmitteln aus dem Internet ist große Vorsicht geboten. Diese Produkte werden zum Teil „mit einem gesundheitlich unbedenklichen Keratinkomplex“ beworben. „Tatsächlich haben die Sachverständigen bei 5 von 17 Produkten hohe Gehalte an Formaldehyd gefunden, die ein ernstes Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Formaldehyd ist aufgrund seiner erwiesenen krebserzeugenden Wirkung nicht für Haarglättungsmittel in der EU zugelassen. Die Online-Händler wurden über die Befunde informiert und haben die Produkte zurückgerufen“, sagte Hauk. Auch die beiden Plattformen Ebay und Amazon haben in eigener Verantwortung die Angebote auf ihren Internetseiten gelöscht.

Der schnelle Klick – Lebensmittel aus dem Internet
Das Angebot von Lebensmitteln im Internet steigt rasant – zahlenmäßig, aber auch mit wachsender Vielfalt. Gestiegen sind seit Dezember 2014 auch die rechtlichen Anforderungen für die Anbieter. Diese müssen alle Informationen auf Lebensmittelverpackungen beim Online-Angebot vor Kaufabschluss verfügbar machen, mit Ausnahme des Mindesthaltbarkeitsdatums. „Wir kontrollieren daher mehr und mehr auch Internetauftritte von Anbietern. 2015 hatten unsere Kontrolleure bei der Überwachung des Internethandels zu kühlende Fischprodukte im Fokus. Die ernüchternde Bilanz: bei der Mehrheit der beschafften Proben war die Kühlkette beim Versand nicht eingehalten“, erklärte Hauk. Dadurch war ein Produkt bereits bei der Ankunft verdorben, einige Produkte wiesen erhöhte Keimzahlen zum Ende der angegebenen Mindesthaltbarkeit auf. „Ich empfehle Verbraucherinnen und Verbrauchern, bei der Bestellung von kühlpflichtigen Lebensmitteln auf Hinweise zur Kühlung beim Versand oder Möglichkeiten zur Vereinbarung eines Liefertermins zu achten“, betonte der Minister.

Schimmelpilzgifte in zerkleinerten Haselnüssen
Auch die Ergebnisse bei zerkleinerten Haselnüssen waren weniger erfreulich. Haselnüsse können stark krebserregende Aflatoxine enthalten – Gifte, die von Schimmelpilzen gebildet werden. Die Haselnuss-Proben des Jahres 2015 waren schlechter als 2014: Es gab häufigere Belastungen, die mittlere Belastung lag höher, und die Höchstmengen wurden deutlich häufiger überschritten als im Jahr 2014. Gründe dafür können Engpässe auf dem Weltmarkt sein, hervorgerufen durch die schlechte Ernte 2014 in der Türkei. Dass die Nüsse zerkleinert sind, spielt offenkundig eine Rolle: Bei ganzen Haselnüssen war die Belastung durch Aflatoxine auch 2015 vergleichsweise gering. „Solche Unterschiede gab es in der Vergangenheit immer wieder. Die Daten deuten darauf hin, dass für zerkleinerte Ware Nüsse verarbeitet werden, die qualitativ weniger hochwertig sind als ganze Nüsse“, so der Minister. In schlechten Erntejahren ist dieser Effekt deutlicher als in guten. Die Behörden werden die risikoreichere Produktgruppe der zerkleinerten Nüsse künftig noch stärker untersuchen.

Kräutertees auf dem Prüfstand – Grenzwerte für bedenkliche Stoffe gefordert
Ein weiteres Thema der Kontrollen waren im Jahr 2015 Kräutertees. Für Verbraucherinnen und Verbraucher können Risiken entstehen, wenn versehentlich Unkräuter in Tees gelangen. Manche Unkräuter enthalten Pyrrolizidinalkaloide (PA), natürliche Pflanzengifte. Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Stuttgart und Karlsruhe haben deshalb 2015 insgesamt 93 Proben untersucht, darunter die beiden beliebtesten Kräuterteesorten Pfefferminze und Kamille sowie Fenchel, Melisse und Brennnessel. Das Ergebnis: Bei 43 Prozent der untersuchten Kräutertees war der Wert, der als maximal empfohlene Tageszufuhr für Kinder gilt, überschritten – und zwar schon bei einer Tasse. In allen Fällen lagen die PA-Ergebnisse jedoch unter der Schwelle für akute Gesundheitsbeschwerden oder gar Vergiftungen. „Wir werden dieses Problem weiter im Fokus behalten“, betonte Verbraucherschutzminister Peter Hauk. Und forderte bessere Regeln: „Der europäische Gesetzgeber muss möglichst bald Höchstgehalte für diese kritische Stoffgruppe festlegen.“

Hintergrundinformationen:
In der hier abrufbaren Anlage finden Sie eine Auswahl herausragender Ergebnisse und Kuriositäten aus dem Bericht der amtlichen Lebensmittel-, Trinkwasser- und Futtermittelüberwachung 2015. Der gesamte Bericht ist hier als Datei abrufbar.

 

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