Rede auf dem Kandel zur Sonnwendfeier 2016

( in Auszügen)

„Liebe Mitglieder der Bergwacht, liebe Mitglieder der Naturfreunde, liebe Mitglieder des Schwarzwaldvereins, liebe Mitglieder des Skiclubs , Liebe Gäste der Sonnwendfeier,

es freut mich, dass wir wieder der schönen Tradition folgen, und die Sommersonnwende, den längsten Tag des Jahres, hier auf dem Kandel feiern.  Wir grüßen die Sonne zum längsten Tag des Jahres am 21. Juni 2016, der vor 4 Tagen war. Aber leider lässt sich die Sonne heute nicht so zeigen, wie wir es bisher an Sonnwendfeiern gewohnt waren. Passend dazu müssen wir auch hinnehmen, dass die Tage wieder kürzer werden.

Auf diesem herrlichen Fleckchen Erde hier auf dem Kandel versammeln sich um die Sonnwende herum naturverbundene Menschen, um zusammen zu sitzen und die Natur zu genießen. Aber auch, um inne zu halten und miteinander ins Gespräch zu kommen, über alles, was unser Zusammenleben ausmacht. So reden wir heute vielleicht über den Brexit und seine Folgen, über das Hochwasser in den letzten Tagen, die Fußballeuropameisterschaften oder auch, dass die Kinder ihren Schulabschluss oder Berufsabschluss gemacht haben oder über viele Dinge des alltäglichen Lebens.

Seit 1921 wird die Sonnwendfeier hier auf dem Kandel jedes Jahr gefeiert. Die Feier wurde damals vom Schwarzwaldverein ins Leben gerufen und wird heute im Wechsel von Schwarzwaldverein, Skiclub und Naturfreunden organisiert. Die Sonnwendfeier ist eine wunderbare Tradition und ich empfinde es als große Ehre, die Feuerrede halten zu dürfen. In vielen Kulturen gibt es zum Sommerbeginn Bräuche und Riten. Schon die Kelten und Germanen sollen zur Winter- und zur Sommersonnenwende am Feste veranstaltet haben, über deren Inhalt ist wenig bekannt ist, in deren Mittelpunkt aber wohl das Feiern der Fruchtbarkeit der Natur gestanden hat und zu denen fast immer Feuer gehörten. Einige Überlieferungen berichten, dass man glaubte, in der Zeit der Sonnenwende den Göttern so nahe zu sein, dass man sie tanzen sehen könne… Wir begehen die Sonnwende inzwischen weniger transzendent, ohne Bezug zu Sonnen – oder Erdgottheiten,

Alexander Schoch bei der Feuerrede am 20.06.2016

Alexander Schoch bei der Feuerrede am 20.06.2016

als Familienevent rund um den längsten Tag des Jahres.

Sollten wir trotzdem eine höhere Sphäre erreichen heute Abend, könnten wir noch ein paar Ideen für unser Stadtfest sammeln, das inzwischen leider sehr überschaubar geworden ist. Beispielsweise könnten wir unser Stadtfest erst mit Sonnwende beginnen lassen und das Feuer des Kandels zum Mitternachtsgrillen auf den Marktplatz bringen? Das würde auch zu den Sagen passen, die erzählen, dass in der Zeit um die Sonnwende den wenig wohlgesonnenen Geistern ein Buffet bereitet und viel gegessen und getrunken wurde.

Jene leider sehr aktuellen Geister hingegen, um den Bogen zu den aktuellen Ereignissen zu schlagen, die den Brexit riefen, werden wir wahrscheinlich nicht so einfach beruhigen können! Die europäische Union hat ihre schönen Seiten, zum Beispiel die Reisefreiheit, die Niederlassungsfreiheit oder die Berufsfreiheit in den Mitgliedsstaaten und die vielen Möglichkeiten, sich auf persönlicher Ebene mit Menschen in der ganzen Welt zu vernetzen. Gleichzeitig erleben wir aber auch ihre Schattenseiten. Viele Bürger fühlen sich nicht ausreichend repräsentiert, haben das Gefühl in den Wirren der Globalisierung zurück gelassen zu werden. Wir stehen vor großen sozialpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir weitaus sorgfältiger und nachhaltiger mit all unseren Schätzen, der Natur, der Demokratie, dem Sozialstaat umgehen müssen. Das heißt wir müssen das bewahren, was gut ist und das verändern, was nicht gut ist. Dies können wir nur erreichen, wenn wir die Erfahrungen, Erkenntnisse und Meinungen der Bürgerinnen und Bürger weitaus stärker in einen europäischen Entwicklungsprozess miteinbeziehen.

Sie sehen, man kann viel mit der Sonnwende verbinden und man kann sich viel wünschen oder man kann sich auch viel vornehmen. Früher verband man mit der Sonnwende einen Aufbruch und ich hoffe diese Wirkung kann auch die heutige Sonnwendfeier haben.

„Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht.“ heißt es in Schillers Glocke. Möge uns dieses Feuer Kraft geben für all die Aufgaben, die im nächsten Jahr wieder vor uns liegen. Gleichzeitig dürfen wir an einem Abend wie heute nicht vergessen, das Leben zu genießen. Ich beende meine Feuerrede mit einem dreifachen: Berg frei!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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