DB AG hat wenig Interesse am Zustand der Bahnhöfe im Raum Freiburg/Emmendingen

Die Bahnhöfe sind für die Fahrgäste die Zugangspunkte zum System Eisenbahn. Viele Verkehrsstationen stellen darüber hinaus wichtige Verknüpfungspunkte mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln dar. Nur durch vollständige Barrierefreiheit sowie einen guten technischen Zustand, können die Stationen diesen Funktionen jedoch umfänglich gerecht werden. Hiervon sind zahlreiche Bahnhöfe im Raum Freiburg und Emmendingen aber weit entfernt. So weisen einige Verkehrsstationen nicht die nötige Barrierefreiheit auf und verwehren so mobilitätseingeschränkten Reisenden die Nutzung. Andere Bahnhöfe sind aufgrund baulicher Mängel oder erheblicher Verschmutzungen wenig einladend. Aus diesen Gründen hat sich der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung gewandt.

Die Auswertung der Kleinen Anfrage weist mehrere Defizite auf:

Die Barrierefreiheit und der Wetterschutz ist dabei besonders ein Problem auf der Rheintalbahn, während es entlang der Elztalbahn deutlich besser aussieht. Von den acht Stationen an der Rheintalbahn zwischen Herbolzheim und Denzlingen weisen sechs erhebliche Mängel auf. Schlusslicht bilden die Stationen in Herbolzheim und Kenzingen, die nur 30 Prozent der möglichen Punkte bekommen. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Bahnsteige mit Höhen von lediglich 38 Zentimeter deutlich niedriger sind als die Zustiegshöhe der Züge. Kaum besser schneiden Riegel und Denzlingen ab. Sie kommen auf 40 Prozent. Etwas besser steht es um die Stationen in Koendringen und Kollmarsreute (60 Prozent). Gut sieht es hingegen mit den Bahnhöfen in Emmendingen (82 Prozent) und vor allem Teningen-Mundingen (92 Prozent) aus. Deren Bahnsteige sind 55 Zentimeter hoch. Die deutlichen Verbesserungen wurden durch Investitionen in den letzten Jahren erreicht.

Entlang der Elztalbahn werden außer Denzlingen (siehe oben) und Waldkirch (76 Prozent) alle Haltepunkte mit sehr guten 92 Prozent bewertet. In Waldkirch ist Bahnsteig 1 noch zu niedrig, um den stufenfreien Ein- und Ausstieg in die bzw. aus den Zügen zu ermöglichen.

Auch beim technischen Zustand der Bahnhöfe offenbaren sich deutlich mangelbehaftete Stationen. So erreichen die Bahnhöfe Koendringen und Kenzingen gerade einmal die Note 4,5 bzw. 4,4 im Schulnotensystem. Gut schneiden hingegen Teningen-Mundingen (1,0) und Emmendingen (1,6) ab.

Beim optischen Zustand der Stationen entlang der Rheintalbahn werden alle mit Noten zwischen 1,8 und 2,4 gut bewertet.

Ganz so gut scheint es um die Sauberkeit an der Elztalbahn leider nicht zu stehen. Für einige der Stationen reicht es nur für ein „Befriedigend“, so für die in Kollnau (Schulnote 3,3). Betrachtet man die Gesamtnote der Qualitätskennzahl „Bewertung AnlagenQualität“ so ist besonders der Vergleich der ersten Bewertung der Stationen im Jahr 2009 mit der letzten verfügbaren Bewertung im Jahr 2014 interessant. Es fällt auf, dass sich der Zustand der Stationen an der Elztalbahn überwiegend verschlechtert hat.

Den Zustand an den Verkehrsstationen in der Region Emmendingen hält der Abgeordnete Matthias Gastel insbesondere an der Rheintalbahn für alles andere als zufriedenstellend: „Leider lassen viele der Bahnhöfe Zweifel an der Funktion der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und der Deutschen Bahn AG aufkommen. Als besonders negativ anzusehen ist das Zusammenkommen verschiedener Mängel. So fehlt es in Kenzingen an barrierefreien Bahnsteigen und zugleich wurden die technischen Anlagen schlecht bewertet. Für die Bürgerinnen und Bürger leidet die Attraktivität der Eisenbahn erheblich unter derartigen Zuständen.“

Und der Landtagsabgeordnete Alexander Schoch ergänzt: „Stationen, die mangels Barrierefreiheit von Reisenden mit Handicap, Kinderwagen oder mit viel Gepäck – wenn überhaupt – nur mit großem Aufwand genutzt werden können, werfen kein gutes Bild auf das Bahn-System und das Unternehmen Deutsche Bahn. Es muss mehr und gezielter investiert werden, um mit qualitativ hochwertigen Stationen Mobilität für alle Menschen gewährleisten zu können und zusätzliche Fahrgäste für die Schiene zu gewinnen.“

Methode und Auswertungen

Um den Zustand der Stationen einschätzen zu können, wurden in dieser Kleinen Anfrage die sogenannten Qualitätskennzahlen der einzelnen Bahnhöfe und Haltestellen erfragt. Diese wurden im Rahmen der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) zwischen der Deutschen Bahn AG und dem Bund vereinbart, um die Qualität der Infrastruktur sicherzustellen. Der Zustand der Verkehrsstationen wird hierbei durch folgende zwei Qualitätskennzahlen berücksichtigt:

  • Die Qualitätskennzahl „Funktionalität Bahnsteige“soll die Funktionalität der Stationen für die Fahrgäste beurteilen. Hierbei wird unter Berücksichtigung der Kriterien stufenfreie Erreichbarkeit der Bahnsteige vom öffentlichen Verkehrsraum, der Bahnsteighöhe sowie der Ausstattung mit Wetterschutz eine Punktezahl für jeden einzelnen aktiven Bahnsteig berechnet. Die Punktezahlen der einzelnen Bahnsteige werden anschließend zu einer Gesamtpunktzahl je Station aufsummiert. Zur Auswertung wurde hier das Verhältnis der bei der Bewertung erreichten Punktzahl zur maximal möglichen Punktzahl je Station berechnet.
  • Die Qualitätskennzahl „Bewertung Anlagen-Qualität“soll hingegen den technischen Zustand sowie die Sauberkeit der Stationen beurteilen. Zur Berechnung werden die einzelnen Verkehrsstationen mit je einer optischen Note und einer technischen Note des Schulnotensystems bewertet. Für die optische Note wird zum Beispiel die Verschmutzung der Räumlichkeiten mit Grobmüll oder Graffiti berücksichtig. Für die technische Note erfolgt eine Bewertung des Zustandes der einzelnen technischen Einrichtungen wie zum Beispiel des Empfangsgebäudes oder  der Aufzüge. Zur Ermittlung der Gesamtnote der Station wird schließlich die technische Note deutlich höher gewichtet als die optische Note.

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