Jugendliche lernen von einander

Beim Besuch des Jugendhilfezentrums LBZ St. Anton in Riegel informierte sich der Landtagsabgeordneter Alexander Schoch (Grüne) über die aktuelle Arbeitssituation der Einrichtung und über die unbegleiteten minderjährigen Ausländer. Für den Heimleiter und Stiftungsdirektor des LBZ St. Anton, Joachim Welter, ist die Arbeit mit den jungen Ausländern eine Herausforderung und eine Bereicherung für seine Einrichtung.

Das LBZ unterstützt Kinder und Jugendliche auf dem Weg zu einer erfolgreichen eigenverantwortlichen Lebensführung in Wohngruppen und mit Tagesgruppenbetreuungsangeboten. Dieses Angebot gilt für alle Jugendliche. Zur Zeit leben 100 Jungen und Mädchen stationär im LBZ St. Anton. 16 sind davon unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA). Knapp 4 800 UMF gibt es derzeit im Südwesten, gut 60 000 in Deutschland.

 

Für Joachim Welter ist es wichtig Jugendliche mit den verschiedensten Hintergründen zu betreuen. Die Jungen und Mädchen lernen enorm voneinander; dabei kommen die deutschen Jugendlichen meist aus schwierigen sozialen Lebenssituationen. Das Leben in der Gemeinschaft, die sozialen Kontakte untereinander und die zielorientierte Arbeit sollen den Jugendlichen wieder Halt und Geborgenheit geben. Gerade auch für Jugendliche, die durch Flucht, Existenzverlust und Hunger geprägt waren, sind diese Erfahrungen wichtig. Der direkte Kontakt mit den deutschen Jugendlichen bietet dabei den Vorteil eines schnelleren Spracherwerb und  Kulturverständnis, Respekt und Toleranz.

Natürlich stellen diese neuen Aufgaben auch für die Mitarbeiter eine neue Herausforderung dar. So bedarf es besondere pädagogische Feinfühligkeit, dass die Alleinreisenden besonders nach den Strapazen der Flucht in der Einrichtung aufgefangen werden und ankommen können. Für die Möglichkeit anzukommen ist es wichtig, so Welter, dass die Jugendlichen nicht ständig von einer Massenunterkunft zur Nächsten geschickt werden. Das ständige Umziehen erzeugt großen Stress. „Es sei gerade bei den Jugendlichen wichtig so früh wie möglich Strukturen für den Alltag zu schaffen. Sonst laufen die Jugendlichen schnell Gefahr depressiv und ziellos zu werden.“, so der Heimleiter weiter.

Die bisherige Arbeit mit den Jugendlichen zeigt, dass sie sehr viel Potenzial und Motivation mitbringen. Die neuen Bewohner sind allesamt sehr wissbegierig und hilfsbereit. Auch erlebt die Einrichtung eine gute Unterstützung des Projektes durch die Bevölkerung und unterstützt die Einrichtung in ihrer wichtigen Arbeit.

 

Das Problem der schnellen Zuteilung wurde von der grün-roten Landesregierung erkannt. Seit dem 1. November ist die Gesetzesänderung, die unbegleiteten minderjährigen Ausländer bundesweit nach einer Quotenregelung verteilt, in Kraft getreten. Zuvor galt das Prinzip der Unterbringung am Ankunftsort. Die neue Regelung führt zu einer gerechteren Verteilung auf die Kommunen, sagt Alexander Schoch.

Ziel muss es sein, unbegleitete Flüchtlinge nicht in Gemeinschaftsunterkünften ohne spezielle Betreuung unterzubringen. Gerade der Zugang zu Einrichtungen der Jugendhilfe muss hier im Vordergrund stehen. Leider hat sich bisher eine bundesweit einheitliche altersspezifische Versorgung trotz geltender Gesetzeslage noch nicht durchsetzen können. Wir gehen im Landkreis Emmendingen diesen Weg, damit den Jugendlichen schnellst möglich eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird. „Das LBZ St. Anton ist hier ein gutes Beispiel für eine gelungene Aufnahme.“, so Schoch.

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