Martin Lehmann - Abteilungsleiter an der GHS, Schulleiter-Thomas Kruse GHS, Siegfried Lehmann - Vorsitzender im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport im Landtag von Baden-Württemberg. Rita Wendenius-Görlitz - Landratsamt, Alexander Schoch - MdL und Simon Kaiser - IHK.

Alexander Schoch und Siegfried Lehmann im Dialog mit Vertretern der beruflichen Bildung

Das Treffen sollte die aktuelle Situation der beruflichen Bildung darstellen und ggfs. Handlungsfelder für die Politik aufzeigen. Der Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport im Landtag von Baden-Württemberg – Siegfried Lehmann stellte die aktuellen Zahlen und Fakten aus dem gesamten Land zur Verfügung.

Thomas Kruse, Schulleiter der GHS in Emmendingen berichtete, dass seine Schule an die Kapazitätsgrenze gekommen sei und man schon über eine Auslagerung von Klassen nachdenke. Er spricht von guten Erfahrungen mit den Flüchtlingsklassen. Die Motivation der Schülerinnen und Schüler sei meist sehr hoch. Doch bedarf es enormer Anstrengungen und vor allem viel Geduld, da die Bildungsniveaus jedes Einzelnen sehr unterschiedlich sind.

Der Spracherwerb müsse vor dem Eintritt in die Berufsschule liegen und durch Spezialisten erfolgen. Sonst könnten die Schüler dem Unterrichtsverlauf nicht folgen. Es gehören auch berufsspezifische Fachbegriffe dazu. Ohne Deutschkenntnisse sei eine Kompetenzabfrage fast nicht möglich. Eine Vermittlung auf den Arbeitsmarkt sieht Kruse optimistisch, besonders die Gastronomie suche händeringend nach Personal. Und so mancher wird auch eine Ausbildung beginnen können. In diesem Zusammenhang erwähnte Siegfried Lehmann den Nachtragshaushalt, der für die Betreuung von Flüchtlingen, genehmigt wurde.

Schüler, die im Übergang von Schule und Beruf eine Ehrenrunde in einer Berufsvorbereitungsklasse auf sich nehmen, profitieren nicht selten von dieser Entscheidung. Die Vorbereitung auf den Beruf läuft vor allem in den 8. Klassen der Haupt- und Realschulen gut und praxisnah, während in den Gymnasien dieses Thema nach wie vor unterrepräsentiert ist.

Die duale Ausbildung durchlebt gerade eine schwere Zeit. Der kontinuierliche Rückgang von Ausbildungswilligen, der extrem hohe Anteil an Gymnasiasten und der Bolognaprozess sorgen für eine Schlagseite. Immer mehr Jugendliche machen zur besseren Karriereplanung das Abitur und absolvieren ein entsprechendes Hochschulstudium, um dann z.B. als Betriebswirt die Stelle eines Industriekaufmanns zu besetzen oder mit einem Bachelor in Pädagogik die einer Erzieherin. Man könne gar von einer Inflation der Abschlüsse sprechen.

Die Situation für schwächere Azubis sei momentan sehr gut. „Es gibt viele unbesetzte Lehrstellen und die Betriebe suchen mit Hochdruck Lehrlinge, die dann aber oft an die Hand genommen werden müssen.“, fasste Simon Kaiser von der IHK zusammen. Das Niveau der Ausbildungszahlen habe sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verschlechtert. Es sei allerdings eine Zunahme von Fluktuation zu Beginn der Ausbildung zu beobachten. „Die Branchen, die den größten Fachkräftemangel haben, haben die meisten Abbrecher.“, so Kaiser weiter. Ob man generell von einer zunehmenden Ausbildungsungsunreife bei Jugendlichen sprechen kann, wollten die Anwesenden nicht so eindeutig mit Ja beantworten. Vielmehr seien auch die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe sehr gestiegen.

Die Ausstattung mit Schulsozialarbeitern und Jugendberufshelfern ist an den Berufsschulen im Kreis mangelhaft. Obwohl es eindeutig ist, wie wichtig diese unterstützende Arbeit für Schüler und Schulen ist. Im Kreis gibt es ganze 2,5 Jugendberufshelfer an drei Berufsschulen. Das entspricht einem Betreuungsverhältnis von 1:300! Die Jugendberufshelfer sind die Feuerwehr unter den Sozialarbeitern und gehören an jede Schule. Die Situation der Schulsozialarbeiter ist nur unwesentlich besser. „Diese Arbeit ist wichtig und nachhaltig.“, merkte Alexander Schoch an. Siegfried Lehmann machte den Anwesenden Mut, weiter Druck auf Landrat und Verwaltung auszuüben.“ Ich weiß, hier müssen dicke Bretter gebohrt werden. Im Kreis Konstanz haben wir es mit viel Geduld gut hinbekommen.“

Das Entlastungskontingent für die Berufsschullehrer wurde in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren. So sind diese oft gezwungen, Vor- und Nachbereitungen des Unterrichts oder die Pflege und Betreuung von Technik in Ihrer Freizeit zu machen. Hier bedarf es unbedingt einer Korrektur. „Wir brauchen eine klare Stellenbeschreibung und danach eine Neudefiniton unserer Aufgaben.“, meinte Helmut Kleinböck.

Außerdem sei die Art der Ressourcenverteilung an ihre Grenzen gestoßen. Die Schulen bräuchten dringend mehr Flexibilität und müssten mit mehr Autonomie ausgestattet werden um auch kurzfristig auf Engpässe zu reagieren, stellte Martin Lehmann von der GHS fest und Siegfried Lehmann ergänzte: „Auch bei der Lehrerausstattung ist Südbaden leider immer noch Schlusslicht im Land.“

Hintergrund:

Am Dialog der Beruflichen Bildung nahmen Schulleiter Thomas Kruse und Abteilungsleiter Martin Lehmann von der GHS, Frau Börnsen, die Leiterin der kaufmännischen Berufsschule in Emmendingen und Helmut Kleinböck von der Berufsschule in Waldkirch teil. Rita Wendenius-Görlitz vertrat da Landratsamt und Simon Kaiser war für die IHK gekommen.

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