Viel weniger neue Solaranlagen – Grüne kritisieren «Zusammenbruch»

Bonn (dpa) – In Deutschland werden angesichts stark gekürzter Einspeisevergütungen deutlich weniger neue Solaranlagen gebaut. Von September 2014 bis August 2015 seien Anlagen mit einer Kapazität von gut 1,4 Gigawatt neu errichtet worden, teilte die Bundesnetzagentur am Mittwoch mit. Im Vorjahreszeitraum waren es noch knapp 2,4 Gigawatt gewesen. Der Neubau liegt damit klar unter dem gesetzlich festgelegten Korridor von 2,4 bis 2,6 Gigawatt pro Jahr. Weil der Richtwert unterschritten wurde, gebe es erstmals keine weitere Kürzung der Einspeisevergütungen, erklärte Netzagentur-Vize Peter Franke. Kritik kam von den Grünen.

 

Die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden sprach von einem «Zusammenbruch des Photovoltaikzubaus» und warf der Bundesregierung vor, die Solaranlagenhersteller und Handwerker im Stich zu lassen.

Die Vergütungssätze seien zu schnell gesenkt worden. Außerdem müssten die Anlagenbesitzer auch auf ihren selbst verbrauchten Strom eine EEG-Umlage zahlen. Diese sogenannte Sonnensteuer sei der wichtigste Grund für den wegbrechenden Ausbau, kritisierte Verlinden. Die Sonnensteuer müsse abgeschafft werden.

 

Mit den Kürzungen versucht die Bundesregierung, das Wachstum der Solarenergie zu begrenzen. In der Anfangszeit der Energiewende hatte es wegen sehr hoher Fördersätze einen sprunghaften Neubau gegeben, der für Milliardenbelastungen des Strompreises gesorgt hatte. Aktuell liegen die Erlöse mit – je nach Größe der Solaranlage – gut 8 bis knapp 13 Cent aber immer noch deutlich über dem Börsenstrompreis.

Bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz und teils wesentlich höhere Fördersätze. Insgesamt verzeichnete die Bundesnetzagentur zu Ende August mehr als 39 Gigawatt Solarkapazität in Deutschland – theoretisch Strom für rund 40 Millionen Menschen oder die Kapazität von 30 modernen Atomkraftwerken.

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