Wir brauchen ein modernes Jagd- und Wildtiermanagementgesetz für Baden-Württemberg

Das baden-württembergische Landesjagdgesetz wurde zuletzt in den 90er Jahren novelliert, allerdings ohne substantielle Änderungen vorzunehmen, rechtfertigt der Emmendinger Grünen-Abgeordnete Alexander Schoch die geplante Novellierung des Landesjagdgesetzes. Seither habe sich jedoch viel verändert, sowohl verfassungsrechtlich als auch gesellschaftlich. So wurde beispielsweise der Tierschutz ins Grundgesetz sowie in die Landesverfassung aufgenommen. Deshalb habe die grün-rote Landesregierung einen Entwurf für ein zeitgemäßes Jagd- und Wildtiermanagementgesetz in Baden-Württemberg vorgelegt, der diese Entwicklungen berücksichtigt.

Nach intensiven Gespräche und Vorbereitungen mit allen Interessengruppen gab es ein Konsenspaket, das der Landesjagdverband leider einseitig aufgekündigt und nun in den Protestmodus geschaltet hat.

Alexander Schoch: „Der Dialog mit der Jägerschaft ist uns genauso wichtig wie der Dialog mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, denn Jagd ist Teil unserer Kultur. Unsere Jägerinnen und Jäger leisten Beachtliches bei der Regulation der Wildtierpopulationen im Spannungsfeld unterschiedlicher Landnutzungsinteressen. Sie leisten wertvolle Beiträge für den Naturschutz, die Umweltbildung und versorgen uns mit bestem Ökofleisch.“

Heute ist wissenschaftlich belegt, dass insbesondere die Fütterung der Wildtiere erst zu hohen Beständen führt, die Schäden in Wald und Flur anrichten. Und dass Katzen, die vor allem in besiedelten Gebieten auch Singvögel erbeuten, effektiver und tierschutzgerechter durch Kastrationen als durch den Abschuss einzelner Tiere reguliert werden können. Im November 2013 hat die Landesregierung den Kommunen die Möglichkeit eröffnet, Kastrationsgebote zu verhängen. „Der Abschuss von Hunden oder Katzen muss die allerletzte Lösung sein“ ist Schoch überzeugt. Hunde sollen künftig nur noch dann geschossen werden, wenn sich kein anderer Weg wie das Einwirken auf die Halter aufzeigt und die Behörden es genehmigt haben.“

Andere Regelungen wie die Wildruhe im Wald von Mitte Februar bis Mitte April sind wichtig, um die Bestände beim Schwarzwild nicht weiter explodieren zu lassen und die jungen Waldbäume vor dem Verbiss von Rehen zu schützen. „So paradox es klingen mag, eine Wildruhezeit hilft, die Bestände von Schwarzwild in Schach zu halten“, erklärt der Emmendinger Abgeordnete. Das ist durch mehrere Untersuchungen belegt. Eine Jagd im Februar auf Schwarzwild geht mit der Kirrung, der Anlockfütterung der Tiere, einher. Diese Kirrung, die zumeist aus energiereichem Futter wie Mais oder Trester besteht, ist zusätzliches Futter in nahrungsarmer Zeit. Dadurch sind die Jungtiere früher fruchtbar, ausgewachsene Wildsauen bekommen deutlich mehr Nachwuchs pro Sau.

Wald und Wildtiere brauchen Jagd, Naturschutz und Tierschutz. Das ist ein wichtiger Baustein des Gesetzentwurfs. „Ein modernes Wildtiermanagement wie der Gesetzentwurf es vorsieht, setzt auf die Kooperation von Jagd, Naturschutz und Tierschutz zum Wohle von Wild und Wald. Ich bin sicher, dass der Gesetzentwurf in der Praxis überzeugt und die Jagd zukunftsfähig macht“, so Alexander Schoch abschließend.

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